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5 Fragen zu deiner Migräne: Detlef

Johannes Windolph
Johannes Windolph

Johannes ist Fotograf, visueller Denker und Teil des Marketing-Teams bei M-sense. Selbst von Migräne betroffen, sucht er abseits gängiger Klischees nach neuen Perspektiven und spannende Geschichten rund um den Kopfschmerz.

Wer unter Migräne oder Spannungskopfschmerzen leidet, wird oft selbst zum Experten. Deshalb stellen wir monatlich einer M-sense Nutzerin oder einem Nutzer 5 Fragen. 

Hier erzählt uns Detlef seine Geschichte, und was er gegen seine Migräne tut. Wenn du auch mal 5 Fragen zu deinen Kopfschmerzen beantworten willst, schreibe einen Kommentar oder schicke uns eine E-Mail an kontakt@m-sense.de.


Name: Detlef
Tätigkeit: Therapeut und Lehrer für Aikido, Taiji und Qigong
Kopfschmerzart: Migräne (mit Aura selten), sehr starke Kopfschmerzen
Häufigkeit der Attacken: Zeitweise 8 bis 10 Attacken pro Monat, seltener 1 bis 2 Monate gar keine Attacken


Wann hattest du deine erste Migräne und wie hat sich das angefühlt?

Meine Mutter hatte extreme Migräneattacken, die ich seit frühester Kindheit miterlebt habe. Als ich dann das erste Mal selbst betroffen war, wusste ich sofort: "Aha, das ist es!" Es war es für mich natürlich etwas ganz Neues, aber ich war nicht verunsichert oder irritiert, denn ich hatte das Gefühl, ich könne das Erlebnis irgendwie zuordnen. Als ich meiner Mutter von meinen Attacken berichtete, fühlte ich mich von ihr sofort verstanden und angenommen. Das hat mir sehr geholfen, mit der Migräne umzugehen.

»Der Schmerz gehört nicht dir, der Schmerz gehört deinem Körper.«

Zum Glück habe ich nur noch selten eine Migräne mit Aura. Als Jugendlicher hatte ich diese Attacken häufiger. Im Alter zwischen 30 und 40 Jahren haben die Migräneattacken mit Aura deutlich nachgelassen. Mit einer Aura fühlen sich Anfälle im Gegensatz zu den Attacken ohne Aura eher wie eine schwere Krankheit an. Wogegen sich Migräneattacken ohne Aura wie extreme Kopfschmerzen anfühlen, die sich wiederum deutlich von normalen Kopfschmerzen unterscheiden.

Detlef hat für uns seine Migräne visualisiert.
Detlef hat für uns seine Migräne visualisiert.

Bei einer Migräne fühle ich mich "schwer krank". Abgesehen davon, fühlt sich der Kopf an, als würde er augenblicklich zerspringen, weitet sich der Schmerz großflächig im Körper aus, meist einseitig. Mein Kopf und das Gesicht sind dann so schmerzempfindlich, dass sie nicht mehr berührt werden können. Stechende Schmerzen im Auge, an der Schläfe und im Ohr begleiten diesen Zustand. Der Schmerz zieht herunter, erfasst den Arm, welcher kaum noch zu bewegen ist, bis die Bewegungsfähigkeit vollständig zum Erliegen kommt. Bewegungen sind dann, wenn überhaupt, nur noch in absolutem Zeitlupentempo möglich. Kopf- und Körperdrehungen sind ohne Übelkeit und der Gefahr des Erbrechens kaum noch ausführbar. 

Einem Kind würde ich den Schmerz folgendermaßen erklären: „Erinnerst du dich daran, wie es ist, wenn du gerade hingefallen bist und du dir dabei sehr weh getan hast? Wenn du dann vor Schmerzen weinst und dich nur noch interessiert, dass es nicht mehr wehtun soll. So ist es, wenn ich Kopfschmerzen habe.“ 

Die Mittagssonne durchflutet Detlefs Arbeitszimmer
Die Mittagssonne durchflutet Detlefs Arbeitszimmer

Machst du was zur Vorbeugung deiner Migräne?

Als agiler Mensch habe ich mich schon immer viel bewegt. Und als Coach und Therapeut arbeite ich mit Entspannungsübungen und Meditation wie: Aikido, Taijiquan und Qigong. Meditation ist für mich allerdings die tiefgreifendste Methode. Diese Verfahren sind Teil meiner täglichen Praxis. Heilen ist, wie wir wissen, eine Kunst. Was wir noch wissen ist: Vorbeugen ist besser als Heilen. Die Krankheiten am besten gar nicht erst zulassen. Überhaupt ist es meines Erachtens förderlicher, sich mehr um Gesundheit als um Krankheit zu kümmern. Denn wenn wir viel von der Zeit, in welcher wir uns um die Krankheiten kümmern, uns mit der Gesundheit beschäftigen würden, dann hätten wir in gleicher Zeit ein anderes, wesentlich größeres Bewusstsein in der Beziehung zwischen Gesundheit und Krankheit entwickelt.

Mein persönlicher Auslöser ist Stress (meist hausgemacht). Ich unterscheide Stress aufgrund von Überforderung von zu viel gleichzeitig zu bewältigenden Aufgaben und Stress der mehr in zwischenmenschlichen Beziehungen entsteht. Auch deshalb ist Entspannung für mich besonders wichtig.

Die Meditation hilft Detlef zur Ruhe zu kommen und Kopfschmerzattacken vorzubeuge
Die Meditation hilft Detlef zur Ruhe zu kommen und Kopfschmerzattacken vorzubeugen

Kannst du deiner Migräne auch etwas Positives abgewinnen? 

Ja, jedes Mal wenn ich von einer Attacke betroffen bin, ist es für mich, als würde jemand mit dem Finger schnippen und sagen: „Aufgepasst! Denk mal über alles nach, was du so tust, willst, denkst.“

»Das Leben ist ein wahres Wunder und Krankheiten sind Rufe, damit wir wach werden.«

Eine Attacke wirft mich sprichwörtlich auf mich selbst zurück. Sie ruft mich zur Besinnung. In dem Moment stelle ich mir die Fragen, die ich mir eigentlich jeden Morgen nach dem Aufwachen stellen könnte. Will ich das, was ich aktuell tue? Wofür stehe ich jeden Morgen auf? Was möchte ich gerne anders machen? Was kann ich verändern? Wie stelle ich mir ein glückliches und erfülltes Leben vor? Warum habe ich bislang nichts geändert, wenn ich doch weiß, dass ich Dinge ändern kann? Will ich mich überhaupt ändern?

Der positive Gewinn ist für mich also, dass ich immer wieder aufgefordert bin, mein Leben zu reflektieren und zu verändern. Das Leben ist ein wahres Wunder und Krankheiten sind Rufe, damit wir wach werden.

Wie beeinflusst die Migräne deinen Alltag?

Meine verständnisvolle Frau unterstützt mich so gut sie kann und gibt mir die Ruhe, die ich brauche. Meistens lege ich mich hin, weil ich bei schweren Attacken ohnehin gar nichts anderes tun kann.

Von anderen Menschen werden meine Attacken oft nicht wahrgenommen, weil ich sie unter Druck erfolgreich kaschiere. Das ist und war schon immer eine meiner größten "Dummheiten", die ich zu überwinden habe. Genötigt habe ich mich dazu immer selbst, weil ich fast mein ganzes Leben beruflich selbstständig tätig war. Krankgeschrieben wegen einer Migräne war ich nie.

Detlef: »Krankgeschrieben wegen einer Migräne war ich nie.
Detlef: »Krankgeschrieben wegen einer Migräne war ich nie

Was hilft bei dir im Umgang mit den Schmerzen?

Während der Attacke trinke ich viel Wasser, selbst dann, wenn ich das Gefühl habe, erbrechen zu müssen. Durch die Einnahme von Schmerzmitteln verschwinden die Schmerzen oft gar nicht. Ich nehme sie aber trotzdem ein, um hoffentlich schnell einschlafen zu können. Schlafen ist für mich die einzige Methode, die mir gegen die Schmerzen hilft. Wenn ich dann aufwache und die Schmerzen noch vorhanden sind, trinke ich etwas und versuche weiterzuschlafen. Das kann schon mal 24 Stunden so gehen. Ich kann das gut, weil ich gelernt habe, dass ich nichts zu verlieren habe (außer meinen Schmerz). Daneben bin ich sowieso nicht in der Lage irgendetwas zu tun, außer mich auszuruhen. Über die Jahre habe ich die nötige Geduld entwickelt und weiß, das Ergebnis wird Schmerzfreiheit sein.