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5 Fragen zu deiner Migräne: Kathi

Laura Rolfs
Laura Rolfs

Laura hat Psychologie studiert und ist Teil unseres Marketing Teams. Ihr Herz schlägt für die Aufklärungsarbeit, Antistigmatisierung von chronischen und psychischen Erkrankungen und Feminismus. Neben ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten in verschiedenen sozialen Projekten, wie dem Aktionsbündnis Seelische Gesundheit, Wahnsinnig Normal und ihrer selbst mitbegründeten feministischen Gruppe G21, beschäftigt sie sich vor allem mit unserem Blog, Social Media und Projektmanagement.

Wer unter Migräne oder Spannungskopfschmerzen leidet, wird oft selbst zum Experten. Deshalb stellen wir monatlich einer M-sense Nutzerin oder einem Nutzer 5 Fragen.

Hier erzählt uns Kathi ihre Geschichte, und was sie gegen ihre Migräne tut. Wenn du auch mal 5 Fragen zu deinen Kopfschmerzen beantworten willst, schreibe einen Kommentar oder schicke uns eine E-Mail an kontakt@m-sense.de.



Name: Kathi
Tätigkeit: Angestellte
Kopfschmerzart: Migräne ohne Aura
Häufigkeit der Attacken: 10-15 Tage im Monat




Wie wirkt sich deine Migräne auf deinen Alltag aus?

Ich finde es oft sehr schwierig mit meiner Migräne im Alltag umzugehen. Ich würde sehr gerne alles machen und tun, was mir Spaß macht – stoße mittlerweile doch oft an meine Grenzen. Spät ins Bett gehen, laute Musik, grelles Licht, Wind und Regen, das eine Glas Wein..... Alles könnte einen neuen Anfall auslösen. Ich versuche trotz allem natürlich das Leben zu genießen, denn eigentlich bin ich ein total lebensbejahender Mensch und ich liebe es zu Reisen und unterwegs zu sein. Da kostet es mich manchmal schon einiges, mich nicht unterkriegen zu lassen. Aber ich schaffe es auch und ich weiß dass nach jeder Attacke wieder alles seinen Weg geht und ich voll am Leben teilnehmen kann. Da bin ich dann wie ein Stehaufmännchen – zum Glück.

Ich muss auch sagen, dass meine Familie mich sehr unterstützt: Ohne meine Kinder und meine Eltern ganz besonders (die zum Glück in der Nähe sind), wäre ich wohl häufig recht verzweifelt. Meine Tochter Claire ist bereits aus dem Haus. Mein Sohn Charlie kommt immer mit, wenn ich Schmerzen habe und mich zurückziehen muss. Er ist ganz wunderbar mit mir und hat vollstes Verständnis. Meine Tochter leidet aus der Ferne mit mir.

Ich habe mir jedoch auch angewöhnt leise und für mich alleine die Schmerzen zu durchleben. Ich nehme dann mein Triptan und sage eigentlich oft den Freunden, Arbeitskollegen und der Familie gar nichts und hoffe einfach ganz schnell wieder zu funktionieren.

Ausfälle auf der Arbeit habe ich zum Glück bisher ganz selten, da setze ich mich gewaltig unter Druck. Ich gehe arbeiten und nach dem Feierabend direkt ins Bett. Manchmal weiß ich selber nicht, wie ich das hinkriege, aber bisher habe ich es fast immer geschafft. Sehr zum Missmut meiner Familie, die sich häufig Sorgen um mich machen. Aber ich habe was meine Arbeit angeht einfach Angst um meine Zukunft. Ich bin alleinerziehend und muss für meine Kinder sorgen.

Was ist der blödeste Kommentar, den du bisher bekommen hast?

  • Leg dich heute Nachmittag einfach mal ein halbes Stündchen hin.
  • Mit einem Löffel Honig gehen auch die Schmerzen weg.
  • Hast du zu viel Käse gegessen? Bei Käse musst du nämlich ganz vorsichtig sein.
  • Hast du denn heute genug getrunken?
  • Schon mal Akupunktur ausprobiert?
  • Du brauchst mehr frische Luft.
  • Gehe mal zur Heilpädagogin, die gibt dir Globulis.

Ich glaube noch nicht mal, dass diese Ratschläge böse gemeint sind. Viele wissen einfach gar nicht, was Migräne eigentlich für die Betroffenen bedeutet. Migräne ist eine genetische, eigenständige Erkrankung, die man leider nicht wegzaubern kann.

Was hilft bei dir, damit die Schmerzen verschwinden?

Ich nehme bei einem nicht auszuhaltenden Migräne-Anfall ein Triptan. Leider verlängern sich meine Attacken durch diese Triptane. Das war schon immer ein Problem bei mir und bedeutet, dass ich oft 4 - 5 Tage oder länger behandeln muss. Der Abstand zur nächsten Migräne wird dadurch natürlich auch noch kleiner.

Da man ja aber ja jeden Monat die sogenannte 10/20 Regel einhalten soll, versuche ich auch öfter die Migräne auszuhalten. Das ist leider oft sehr schwer, denn ich liege dann für gut 72 Stunden im abgedunkelten Raum mit Übelkeit und Erbrechen.

Ich habe die verschiedensten Therapiemethoden ausprobiert, unter anderem auch Akupunktur und Globuli. Man versucht ja alles und lässt keinen Strohhalm aus. Auch verschiedene Prophylaxen, wie Betablocker, Topimax, Antidepressiva oder hochdosiertes Magnesium habe ich probiert. Magnesium soll bei vielen Patienten eine gute Auswirkung haben, leider schlug es bei mir nicht an. Seit knapp zwei Jahren bekomme ich in der Schmerzklinik alle drei Monate Botox nach dem PREEMT Schema gespritzt. Dadurch hatte ich tatsächlich auch mal unter 10 Schmerztage im Monat.

Ruhe ist ganz wichtig bei meiner Migräne, so wenig Reize wie möglich und die Schmerzen einfach zulassen. Sonst hilft nichts bei mir. Nach einer durchstandenen Attacke bin ich normalerweise wie ein Stehaufmännchen, voller Elan und Energie!

Wie würdest du einem Kind erklären, wie es dir geht, wenn eine Attacke dich überfällt?

Ich habe meinem Sohn als er 10 Jahre alt war die Migräne so erklärt:

Es ist als würde sich ein ungebetener Gast in deinem Kopf einquartieren. Der fängt an zu randalieren und Krach und Lärm zu machen. Dadurch gerät alles aus den Fugen und man muss sich zurückziehen und so lange warten bis dieser Gast sich wieder verabschiedet hat. Da das jedoch eine Weile dauern kann, braucht man so viel Ruhe wie möglich.

Leider muss mein Sohn häufig zurückstecken, wenn ich Migräne habe. Er kennt das aber mittlerweile. Trotzdem habe ich immer ein furchtbar schlechtes Gewissen, wenn ich mich wegen der Migräne zurückziehen muss.

Wie wichtig ist dir der Austausch mit anderen Betroffenen?

Der Austausch mit anderen Betroffenen ist sehr wichtig für mich. 2015 war ich erstmals stationär in einer Schmerzklinik. Es tat sooo gut sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Plötzlich war man nicht mehr alleine, jeder wusste wovon man sprach. Ich konnte auch die Schmerzen dort zulassen und musste nicht mehr versuchen, die Attacke vor Freunden und Kollegen zu verstecken. Im Alltag ist es mir immer unangenehm, wenn die Migräne wieder zuschlägt.

Bis heute habe ich Kontakt mit anderen Migräne-Betroffenen. Zusätzlich bin ich in einer Migräne-Community, wo ich immer wieder was dazu lerne. Es ist so wichtig zu sehen, wie andere mit diesem Leiden umgehen. Es macht Mut und hilft mir sehr in meinem Alltag.