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Die Geschichte vom chronischen Schmerz in drei Teilen – Teil 1

Birgit Schmitz
Birgit Schmitz

Birgit Schmitz leitet den Hamburger Verlag Hoffmann & Kampe und ist Schriftstellerin. In ihrem Buch "Der Schmerz ist die Krankheit" schreibt sie über ihre chronischen Spannungskopfschmerzen.

Wie ich einmal meine Kopfschmerzen übersehen hatte und seitdem mit den Folgen kämpfen muss...

Ich hatte einen nicht kleinen Eingriff hinter mir, der sich Coiling nannte und ein Blutgefäß in der Hirnhaut verschlossen hatte, das dort nicht hingehört. Doch schon nach wenigen Tagen schickte man mich nach Hause: erschöpft und in Rekonvaleszenz. Dann kam der Tag der Kontrolluntersuchung und es hieß: Alles wäre jetzt gut. Ich erzählte nicht, dass ich gelegentlich Kopfschmerzen hatte und mir einzelne Punkte an Nase, Stirn und Kinn wehtaten. Wen kümmern schon ordinäre Kopfschmerzen, wenn man eine Fistel in der Hirnhaut hatte? 

Doch irgendwie hatte ich das Vertrauen in mein ureigenes körperliches Warnsystem verloren. Mich hatten in den vorangegangenen Monaten so viele unterschiedliche und mir zuvor gänzlich unbekannte Dinge geplagt, sodass es mir nicht weiter auffiel, dass eine Sache regelmäßig da war: die Kopfschmerzen. 

Als nach und nach, mit jedem Tag und jeder Woche die Schmerzen intensiver wurden, hatte ich schlicht keine Idee, was zu tun war. Gelegentlich nahm ich eine Tablette, gönnte mir mehr Ruhe und Schlaf. Es gab dann auch Tage ganz ohne Beschwerden, bevor es mal wieder ein oder zwei Tage schlechter ging. Aber im Großen und Ganzen: keine Besserung. An manchen Stellen spürte ich richtig, wie die Haut vom Schmerz warm wurde. Manchmal fühlte er sich drückend an und manchmal so scharf, als würde ein Messer direkt durch die Schädeldecke gestoßen. Doch meist blendete ich das aus. Tat so, als wenn alles wieder wie früher wäre, unternahm Reisen, ging zu Partys, zum Yoga und auf Konzerte. Alles sollte sich normal anfühlen, keine Einschränkungen. 

Doch als ich an einem verlängerten freien Wochenende nicht aufstehen, geschweige denn irgendetwas unternehmen wollte, aber auch das Bett und ein abgedunkeltes Zimmer nicht halfen, entschied ich mich, die netten Abschiedswort meines Arztes aus der Klinik wörtlich zu nehmen: «Sie melden sich bitte, wenn irgendetwas sein sollte.» 

Ich schrieb ihm eine E-Mail: Mir gehe es nicht gut, ich hätte Kopfschmerzen und das schon längere Zeit. Die Antwort kam schnell: Ich solle sofort kommen. Seine Assistentin werde mir am nächsten Tag einen Termin nennen und auch alle Bilder und Berichte anfordern. Vier Tage später lag ich wieder auf einem OP-Tisch. Der Arzt sagte mit seiner sanften Stimme: «Einatmen. Ausatmen. Nicht mehr atmen. Nicht bewegen. Weiteratmen.» Die Angiographie (das ist ein Röntgenverfahren bei dem mit Hilfe eines Katheder Kontrastmittel in die Hirnhaut gebracht wird und dann Bilder gemacht werden. Während das Kontrastmittel eingebracht wird, darf man sich nicht bewegen und atmen) ergab, dass alles in Ordnung war. Was bedeutet, dass sich keine neue Fistel gebildet hatte. 

Die Anamnese lieferte die Fachbegriffe für das, was ich bisher nur in meinen Worten hatte beschreiben können: einschießende Schmerzen vom neuropathischen Typ, Schmerzpunkte im Gesicht und Spannungskopfschmerz. In diesem Moment fühlte ich, dass eine Krankheit endete und eine neue begann...