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Frei erhältlich und doch nicht harmlos – Pro & Contra Ibuprofen

Birgit Schmitz
Birgit Schmitz

Birgit Schmitz leitet den Hamburger Verlag Hoffmann & Kampe und ist Schriftstellerin. In ihrem Buch "Der Schmerz ist die Krankheit" schreibt sie über ihre chronischen Spannungskopfschmerzen.

Der Fuß ist geschwollen und ziemlich rot. Nach einem kleinen Unfall hatte man mich in die Notaufnahme gebracht, die Schürfwunde versorgt und mir ein kleines Päckchen mit Tabletten in die Hand gedrückt: 6 x Ibuprofen 600 mg und 2 x Pantoprazol.

Über Ibuprofen weiß ich so einiges, schließlich wird es sehr oft bei Kopfschmerzen eingesetzt. In der Wirkungsweise gleicht es der Acetylsalicylsäure, über das ich letzte Woche schon innerhalb eines ausführlichen Blogbeitrags berichtet habe. 

Ibuprofen schlägt auf den Magen

Bei Pantoprazol musste ich erst einmal nachschauen. Es ist ein sogenannter Protonenpumpenhemmer und wird als Magenschutz verabreicht. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit mir beide Medikamente mitgeben wurden. Obwohl ich mir noch ein oder zwei Worte der Ärztin zu den Präparaten gewünscht hätte, fand ich es doch gut fürs Erste versorgt zu sein. Denn sind wir mal ehrlich, es gibt Besseres als den Abend in einer Notaufnahme zu verbringen.

Der Umgang mit den frei verkäuflichen Schmerzmitteln ist inzwischen wesentlich kritischer. Jeder Laie ahnt, dass diese Mittel nicht harmlos sind und erhebliche Nebenwirkungen haben, weshalb sie als dauerhafte Medikation für Migränebetroffene oder andere chronische Schmerzpatienten auch nicht in Frage kommen, bzw. ihre Einnahme genau notiert und überwacht werden sollte. Im Falle von Ibuprofen ist der Magen betroffen. 

Entwicklung von Ibuprofen

Entwickelt wurde der Wirkstoff in den 50er und 60er Jahren in Großbritannien. Der Pharmakologe Stewart Adams wollte ein Schmerzmittel, das besser gegen Entzündungen wirkt und dabei verträglicher ist als Aspirin. Über 15 Jahre lang klappte das nicht richtig, zumeist weil die Nebenwirkungen zu heftig waren. Adams gehörte zu jenen Forschern, die sich für nichts zu schade sind, und probierte die Pillen auch an sich selbst aus (ähnlich wie der Apotheker Friedrich Sertürner, der Morphium aus Schlafmohn isolierte und erst an Hunden, dann an sich und Freunden ausprobierte) und nahm die Pillen auch schon mal gegen einen Kater, wenn er abends im Pub gewesen war. Und das half schon mal ganz gut.

Schließlich gelang Adams doch der Durchbruch und Ibuprofen wurde zur Bekämpfungen von Rheuma–Schmerzen zugelassen. Der Rest ist Geschichte. Adams hatte eines der erfolgreichsten Medikamente der Welt entwickelt. Zu wissen, dass man als Erfinder vielen Menschen auf der Welt tagtäglich hilft, muss schon ein irres Gefühl sein.

Licht und Schatten

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Damit Ibuprofen wirkt, müssen relativ hohe Dosen eingenommen werden. Besonders wenn es gegen Entzündungen helfen soll, denn dann muss sich der Wirkstoff erst einmal im Gewebe anreichern. Da Ibuprofen ein wichtiges Enzym (Cox) hemmt, geht die Entzündung zurück. Dieses Enzym sorgt jedoch auch dafür, dass die Magenschleimhaut erhalten wird. Der Cox-Hemmer Ibuprofen greift also zwei Mal an: die Entzündung und den Magen. Inzwischen gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass damit verbunden auch Herzinfarkt– und Schlaganfall-Risiko steigen.

Über all das müsste ich mir gerade keine Gedanken machen. Denn ich nehme zwar die Höchstdosis von 2400 mg am Tag, aber das erst seit zwei Tagen. Leider scheint es gerade gar nicht helfen zu wollen. Der Fuß ist immer noch geschwollen und die Schmerzen sind heftig. Kann es sein, dass das Schmerzmittel schon wieder nicht zum Schmerz passt?