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Kaffeekränzchen zum Kopfschmerztag – die berühmtesten Migräniker unter sich

Birgit Schmitz
Birgit Schmitz

Birgit Schmitz leitet den Hamburger Verlag Hoffmann & Kampe und ist Schriftstellerin. In ihrem Buch "Der Schmerz ist die Krankheit" schreibt sie über ihre chronischen Spannungskopfschmerzen.

Am 5. September ist Kopfschmerztag.


Wäre es möglich durch die Jahrhunderte zu reisen und wir würden anlässlich dieses Tages bei M-sense zu Kaffee und Kuchen einladen, kämen sicher einige sehr illustre Persönlichkeiten zusammen.

Der Politiker mit Migräne

An unserer imaginären Kaffeetafel säßen natürlich Politiker, Weltherrscher und Despoten. Julius Caesar plaudert mit Napoleon, John F. Kennedy stöhnt, wenn er nicht regelmäßig Sex hätte, bekäme er Kopfschmerzen. Diese Klage bringt ihm aber den tadelnden Blick von USA-Gründervater Thomas Jefferson ein. Und gar kein Verständnis für diese Form mangelnder Selbstbeherrschung gibt es beim 28. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Woodrow Wilson. Wilson erwarb sich trotz starker Kopfschmerzen große Verdienste, z.B. indem er sich für die Beendigung des Ersten Weltkriegs und die Gründung des Völkerbunds einsetzte.

Bild: Caesar, Napoleon, Kennedy, Jefferson, Wilson
Bild: Caesar, Napoleon, Kennedy, Jefferson, Wilson

Berühmte Musiker mit Kopfschmerzen

Am Musiker-Tisch stecken Ludwig van Beethoven, Richard Wagner und Gustav Mahler die Köpfe zusammen und ignorieren völlig die jüngeren Kollegen. Elvis Presley und Kanye West sind deshalb fest davon überzeugt, dass bei der Tischordnung ein Missverständnis vorliegt – viel lieber würden sie am sogenannten Hollywood-Tisch sitzen, schließlich hat da gerade Janet Jackson Platz genommen.

Richard Wagner

Der Beginn von Richard Wagners Oper „Siegfried“ soll eine aufziehende Migräne beschreiben. In einem Artikel für die Dresdner Abendzeitung schrieb er einmal: „Ich bekam an diesem Tag so heftige Kopfschmerzen, so peinigende Nervenzuckungen, dass ich früh nach Hause gehen und mich ins Bett legen musste.“

Berühmte Hollywood-Stars mit Migräne

Am Hollywood-Tisch sitzen Schauspieler neben Sportlern und Modedesignern. Serena Williams erfährt von Elizabeth Taylor, dass sie drei bis vier Mal am Tag gebadet hat, wenn eine Migräne aufzog. Die Tennis-Größe dagegen hatte erst spät verstanden, dass bei ihr die Migräne mit der Menstruation zusammenhing. Ben Affleck hört schweigend den beiden Frauen zu, denn da kann er trotz regelmäßiger Migräne nicht mitreden. Ganz still wird es im Raum, als der Regisseur Franca Capra aus seiner Autobiografie vorliest:

„Plötzlich drückte ein gewaltiger Geister-Vogel drei seiner schmerzhaften Klauen tief in meinen Kopf und mein Gesicht und versucht mich hochzuheben. Ohne Warnung, ohne irgendwelche Vorzeichen. Einfach nur Bamm! Ein gewaltiger, todbringender Schmerz breitete sich über mein rechtes Auge aus. Fest umklammerte ich meinen Kopf, stolperte nach draussen zu den Rasenflächen, durch die Hecken zu den menschenleeren Tennisplätzen. Dort in der Dunkelheit jammerte und rang ich nach Luft. Ich blies die Backen auf und prustete kurze Atemstöße, leckte über meine heißen Lippen, wischte mir die Tränen die aus meinem rechten Augen liefen ab, umklammerte verzweifelt meinen Kopf und versuchte ihn aus der eisernen Umklammerung der teuflischen Klauen zu befreien. Eine nervenzerreißende Stunde später ließen die Klauen von mir ab. Der Anfall ließ so schnell nach wie er mich erschüttert hatte. Erleichterung setzte ein. Es ist vorbei. Mörderische Kopfschmerzen, aber es ist vorbei.“ 

Damit beschreibt er treffend, wie sich Cluster-Kopfschmerz anfühlt und Daniel Radcliffe aka Harry Potter und Bjarne Mädel aka Tatortreiniger stimmen dem Großmeister aus Hollywood zu, schließlich überfällt sie dieser bösartige Kopfschmerz auch regelmäßig.

Davon unbeeindruckt berät Designer Manolo Blahnik Schauspielerin Katja Flint in Sachen Schuhmode und versichert nebenbei: „Migräne hatte ich mein Leben lang. Sie sind ein Teil von dem, was ich bin. Ich habe sie von meinem Vater geerbt und lange schon meinen Frieden damit gemacht.“

Autoren die an Kopfschmerzen litten

Am Autoren-Tisch dagegen gibt es keinen freien Platz mehr. Oliver Sacks leitet das Gespräch, weil er ja ein ganzes Buch über Migräne geschrieben hat. Miguel de Cervantes, dessen Don Quichotte oft den Kopf hängen ließ, sitzt zusammen gekrampft neben Friedrich Nietzsche, dem es auch schon besser ging, besonders wenn er vor der Migräne in die Schweizer Berge nach Sils Maria flüchtete. Wilhelm Busch wünscht sich nichts mehr, als durch ein Hasenloch zu verschwinden, als er hört wie Lewis Carroll erklärt, dass die Symptome seiner Migräne in „Alice im Wunderland“  verarbeitet hat. 

Auch Heinrich Heine schweigt, war er doch Zeit seines Lebens geräuschempfindlich. Was für ihn eine „kleine Hölle, die man im Gehirn trägt…“ war, fühlte sich für die Dichterin Emily Dickinson wie „ein Begräbnis im Gehirn“ an. Joan Didion geht noch einen Schritt weiter: „Dass noch niemand an Migräne gestorben ist, erscheint jedem, der sich mitten in einem Anfall befindet, als ein schwacher Trost.“ – während Virginia Woolf die Worte fehlen: „Das Englische, das die Gedanken Hamlets und die Tragödie von Lear ausdrücken kann, hat keine Worte für Fieberschauer und das Kopfweh.“ Sigmund Freud und Charles Darwin wollen sich gerade in die Diskussion einmischen, da überkommt Darwin aber leider wieder große Übelkeit, wie immer.

Allein sitzt Salvador Dalí, der verträumt sein berühmtestes Gemälde anschaut: „Die Beständigkeit der Erinnerungen“ malte Dali unter Kopfschmerzen.