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Kann Rauchen Migräne und Kopfschmerzen auslösen?

Miriam Jansen
Miriam Jansen

Miriam musste vor ein paar Jahren wegen chronischer Migräne ihren Beruf als interkulturelle Beraterin & Trainerin aufgeben. In dieser Zeit wurde sie zur Migräne-Expertin. Nun macht sie einen beruflichen Wiedereinstieg und gibt ihr Wissen im M-sense-Blog weiter.

Ich kann es schlecht beschreiben, aber es war so ein eindeutiges Gefühl von kontinuierlicher Vergiftung... Ich hatte schon länger den Eindruck, dass mir Rauchen nicht gut tut. Dass danach immer häufiger Kopfschmerzen auftraten, die gerne zu einer ausgewachsenen Migräne wurden, hat dieses Gefühl stark unterstützt.

So ging es mir einige Zeit, bevor ich mich entschied, mit dem Rauchen aufzuhören. Rauchen und Passivrauchen werden nicht nur von mir, sondern auch von vielen anderen Migräne-Betroffenen als Trigger angegeben.

Aber kann Nikotin wirklich Kopfschmerzen und Migräne auslösen?

Und ist es sinnvoll, als Migräniker*in mit dem Rauchen aufzuhören?

Sollte man dann auch E-Zigaretten und Passivrauchen meiden?


Studien zu Nikotin und Migräne

Die Häufigkeit mit der Rauchen als Auslöser für Kopfschmerzen in medizinischen Studien genannt wird, ist stark schwankend (zwischen 1 und 61%1), was leider wenig aussagekräftig ist. Spanische Forscher fanden jedoch heraus, das bereits fünf Zigaretten am Tag die Wahrscheinlichkeit einer Migräne-Attacken erhöhen – und konnten somit einen Zusammenhang zwischen Rauchen und Migräne nachweisen2. Eine Studie aus Norwegen konnte ebenfalls ein leicht erhöhtes Risiko für Migräne bei Rauchern (oder Personen, die in der Vergangenheit geraucht haben) im Vergleich zu Nichtrauchern feststellen3. Eine weitere Studie aus Dänemark fand hingegen keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Migräne oder Spannungskopfschmerzen und Nikotinkonsum4. In einer neuseeländischen Studie war das Risiko für häufige Kopfschmerzen bei Rauchern im Kindes- und Jugendalter zwar erhöht, jedoch nicht im Erwachsenenalter5.

Die Studienlage ist somit nicht eindeutig. Dennoch scheinen viele Migräniker*innen (Raucher wie Passivraucher) die Auswirkungen von Nikotin auf ihre Migräne deutlich zu spüren.

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich nach einem Abend mit Nikotinkonsum Kopfschmerzen bekam, die später zu Migräne wurden, relativ hoch war. Jedoch muss ich dazu sagen, dass ich ein recht unregelmäßiges Rauchverhalten hatte, denn ich war ein sogenannter “Partyraucher”. Teilweise habe ich tagelang gar nicht geraucht. Und wenn ich dann unterwegs war und Freunde getroffen habe, wurde es gerne mal eine ganze Schachtel am Abend.

Besonders wenn Alkohol im Spiel war, gehörten Zigaretten einfach für mich dazu.

Und da es ja auch die Vermutung gibt, dass gerade Unregelmäßigkeiten und Schwankungen Migräne-Attacken triggern, kann natürlich auch gerade dieses Auf und Ab von keinem bis extrem hohem Nikotinkonsum zu meinen Attacken geführt haben.

Mit den Triggern und der Migräne ist es ja eh so eine Sache: Meistens ist ein Zusammenspiel aus mehreren Einflussfaktoren dafür verantwortlich, dass das Migränehirn in einen Anfall kippt. Eine wichtige Rolle dabei spielt auch die persönliche Resilienz (Widerstandsfähigkeit), die im Laufe eines Migränezyklus stark schwankt. Daher können vermeintliche Trigger mal eine Migräne auslösen und mal nicht – und sind daher schwer zu identifizieren. Hinzu kommt, dass manchmal auch mehrere Trigger zusammenkommen müssen, damit eine Migräne ausgelöst wird.


Kopfschmerztagebuch

Das Kopfschmerztagebuch: Wie Selbstbeobachtung bei Migräne hilft.


Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs und das Beobachten des eigenen Migränezyklus, der aus kopfschmerzfreien und Kopfschmerztagen besteht, kann dennoch helfen Zusammenhänge aufzudecken. Unsere Migräne- und Kopfschmerz-App M-sense analysiert die eingegebenen Daten darüber hinaus und kann so bei der Selbstbeobachtung und der Identifikation von persönlichen Triggern helfen. Es wird mittlerweile auch davon abgeraten, Migräneauslöser komplett zu vermeiden, sondern eine Art Triggermanagement zu betreiben und sich ihnen in Phasen hoher Widerstandsfähigkeit auszusetzen.


Was genau löst denn eigentlich die Kopfschmerzen beim Rauchen aus?

Hauptverdächtiger Migräne- bzw. Kopfschmerz-Auslöser ist immer noch das Nikotin im Tabak. Jedoch ist noch völlig ungeklärt, was der Verbrennungsvorgang an sich und die diversen Zusatzstoffe im Tabak anrichten – und welche Rolle sie bei der Entstehung von Kopfschmerzen spielen.

  • Nikotin führt dazu, dass sich die Blutgefäße im Körper verengen und der Blutdruck steigt. Somit wird die Durchblutung im Gehirn reduziert, was Kopfschmerzen hervorrufen kann.

  • Beim Einatmen des Rauchs wird der Sauerstoffanteil der eingeatmeten Luft geringer, was ebenfalls zu Schwindel und Kopfschmerzen führen kann. Sauerstoffmangel ist aufgrund von Ablagerungen in den Lungenbläschen tatsächlich auch eine langfristige Folge des Rauchens und eine bekannte Ursache für Kopfschmerzen.

  • Darüber hinaus steht Nikotin im Verdacht, die Fähigkeit des Abbaus von Medikamenten in der Leber zu beeinflussen. Das heißt, Medikamente gegen die Schmerzen werden nicht mehr so gut abgebaut, bleiben im Körper und können deshalb bei erneuter Einnahme nicht mehr so gut wirken.

  • Nikotin (wie auch Alkohol übrigens) hemmt die Aktivität des Enzyms Diaminoxidase, kurz DAO, dessen Aufgabe darin besteht, Histamine im Körper abzubauen. Wenn dieser Abbau gestört ist, sammelt sich vermehrt Histamin im Körper an. Und Histamin steht im Verdacht Migräne auszulösen, denn es kann eine Entzündung und eine Erweiterung der Blutgefäße im Kopf bewirken.

  • Das im Tabak enthaltene Kohlenmonoxid steht ebenfalls im Verdacht durch Anreicherung im Blut und Gehirn Kopfschmerzen auszulösen.

  • Und zu guter Letzt sind viele Kopfschmerz-Betroffenen, insbesondere Migräniker*innen, geruchsempfindlich. Somit kann der Rauch an sich bei ihnen auch in Form von Passivrauchen eine Migräne-Attacke auslösen.



Medikamente gegen Migräne

Medikamente gegen Migräne - was hilft im Akutfall?



Sind E-Zigaretten die bessere Lösung bei Migräne?

Einige meiner Freunde sind wie viele andere Raucher aktuell auf E-Zigaretten umgestiegen. Dabei wird eine Flüssigkeit (das sogenannte “Liquid”) in eine Art Pen gefüllt und durch Hitze verdampft. Entwickelt wurden die ersten E-Zigaretten 2003 in China. Mittlerweile gibt es sie in verschiedenen Variationen und Modellen überall zu kaufen. Auch die Liquids gibt es in verschiedenen Versionen mit Tabakgeschmack oder diversen anderen Aromen von A wie Apfel über K wie Käsekuchen bis Z wie Zitrone. Sie sind in verschiedenen Nikotin-Dosierungen oder eben auch gänzlich nikotinfrei erhältlich.

Tatsächlich schadet das Verdampfen von Nikotin laut aktuellem Forschungsstand weniger als das Rauchen an sich. Dennoch gibt es zur Zeit noch keine Langzeitstudien und somit keine Aussagen zu den langfristigen Auswirkungen dieser Liquids auf die Gesundheit.

Viele meiner Freunde klagen zumindest über vermehrte Halsschmerzen und eine erhöhte Anfälligkeit für Erkältungen. Aus eigener Erfahrung als Passivraucher von E-Zigaretten muss ich leider sagen, dass der Geruch einiger dieser Liquids bei mir definitiv noch garantierter als das “normale” Passivrauchen eine Migräne-Attacke auslöst. Für Migräne-Betroffene, die geruchsempfindlich sind und auf bestimmte Gerüche mit einem Migräneanfall reagieren, sind diese Aromen wirklich schwer zu ertragen.


3 Gründe, um mit dem Rauchen aufzuhören

Neben der Verringerung von Kopfschmerzen und Migräne, die für Migräne-Betroffene sicherlich ganz vorne an stehen, gibt es natürlich noch diverse weitere Gründe, um mit dem Rauchen aufzuhören, allen voran allgemein-gesundheitliche:

  1. Weltweit sterben laut der WHO jährlich circa 7.2 Millionen Menschen an den Folgen des Nikotinkonsums. Darin enthalten sind auch circa eine halbe Million Passivraucher, zu denen über 150.000 Kinder gehören6. Rauchen ist eine der häufigsten Ursachen für Lungen-, Kehlkopf- und Luftröhrenkrebs, begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen und schwächt das Immunsystem, um nur einige gesundheitliche Beeinträchtigungen zu nennen.
  2. Ein weiteres triftiges Argument, um als Migräniker mit dem Rauchen aufzuhören, ist mir erst vor kurzem bewusst geworden: Migräne-Betroffene (besonders die mit Aura) haben ein erhöhtes Schlaganfallrisiko7, was natürlich durch das Rauchen noch verstärkt wird.
  3. Und natürlich kann man auch den hohen finanziellen Aufwand und die generelle Umweltschädlichkeit des Rauchens auflisten. Denn Rauchen schadet nicht nur der Gesundheit sondern auch dem Planeten8.

Schlussendlich habe ich persönlich mit dem Rauchen aufgehört, weil bei mir neben der Migräne auch ein zerebrales Aneurysma diagnostiziert wurde. Dabei handelt es sich um eine krankhafte Arterienerweiterung im Gehirn, gerne zur Panikmache in den Medien auch als “tickende Zeitbombe” betitelt. Jedoch nicht jedes Aneurysma muss gefährlich sein, es hängt stark von seiner Größe, Lage und Beschaffenheit ab. Dennoch kann es eben platzen und zu einer folgenschweren Gehirnblutung führen. Und daher sollte man alle gefäßschädigen Maßnahmen, zu denen eben das Rauchen gehört, einstellen.


Wie ich es schaffte, mit dem Rauchen aufzuhören

Ich bin eigentlich wirklich nur in einer Sache konsequent: im inkonsequent sein!
Von daher brauchte ich tatsächlich den Migräneschmerz, die Aneurysma-Diagnose und einen radikalen Lebenswandel, um mich konsequent vom Nikotin abzuwenden.

Die Migräne hat definitiv mein Leben verändert: Ich gehe nur noch selten aus, trinke keinen Alkohol mehr und habe auch dem Großstadtleben den Rücken gekehrt.

Ich weiß wirklich nicht, ob ich immer noch Nichtraucher wäre, wenn ich weiterhin mit meinen rauchenden Freunden durch das Partyleben Hamburgs und Berlins ziehen würde. Vielleicht schon, aber dass mein Freund nicht raucht und keinen Alkohol trinkt, und wir uns größtenteils in der Natur ohne große Partygelegenheiten aufhalten, hilft natürlich enorm.

Ich war tatsächlich – wie viele meiner Freunde vor mir, die es geschafft haben erfolgreich mit dem Rauchen aufzuhören – bei einer professionellen Raucherentwöhnung in einer Naturheilpraxis. Die Behandlung kostete einmalig 50 €. Das Tolle ist: Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, es wirkt nicht, hätte ich nochmal wieder kommen dürfen.

Was genau passiert da mit einem? Man wird erst in einer kleinen Gruppe über die Behandlung aufgeklärt und anschließend einzeln mittels Besprechen und Handauflegen behandelt. Meine Heilpraktikerin erzählte, das sei eine Gabe, die sie von ihrem Vater vererbt bekommen hat und inzwischen auch an ihre Kinder weitergeben konnte. Durch die Behandlung wird einem das Verlangen nach Nikotin genommen, so dass nach einer erfolgreichen Behandlung keine, oder eben nur stark abgeschwächte Entzugserscheinungen auftreten sollen. Die ganze Sache dauert circa eine Stunde; die individuelle Behandlung circa 10-20 Minuten.

Ungefähr zwei Tage später bei einem Kneipenabend mit Freunden habe ich eine Zigarette geraucht. Es folgten in den Tagen darauf einige weitere. Ich war anscheinend einfach noch nicht bereit und muss auch zugeben, dass ich mich mental noch nicht richtig mit dem Nichtraucher-Dasein angefreundet hatte. Doch mit jeder Zigarette wuchs das Verlangen, dieses Laster endlich hinter mir zu lassen. Ohne einen weiteren Besuch in der Naturheilpraxis startete ich einige Wochen später im Sommer 2016 einen neuen Versuch…. und bin seitdem (Achtung: konsequenter!!!!) Nichtraucher. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich wie oben erwähnt ein Gelegenheitsraucher war und als solcher ist das Aufhören eventuell einfacher.

Die tollste Nebenwirkung des Nichtrauchens für mich ist, dass mein jahrelang gefestigter, innerer Glaubenssatz “ich bin konsequent inkonsequent” für immer zerstört worden ist. Das gibt mir Kontrolle über mein Leben zurück, was auch in Bezug auf viele andere Bereiche im Leben hilfreich sein kann.

Neben der von mir erwähnten Methode der Raucherentwöhnung gibt es natürlich diverse weitere Methoden, um mit dem Rauchen aufzuhören. Welche da in Frage kommt und ob man überhaupt eine braucht, muss jeder selber entscheiden. Einen guten Überblick über die Methoden sowie weiterführende Beratung bieten zum Beispiel die Krankenkassen.




1 Holzhammer, J.; Wöber, C. (2006): Nichtalimentäre Triggerfaktoren bei Migräne und Kopfschmerz vom Spannungstyp. In: Schmerz (Berlin, Germany) 20 (3), S. 226–237. DOI: 10.1007/s00482-005-0413-z.

2 López-Mesonero, L.; Márquez, S.; Parra, P.; Gámez-Leyva, G.; Muñoz, P.; Pascual, Julio (2009): Smoking as a precipitating factor for migraine. A survey in medical students. In: The journal of headache and pain 10 (2), S. 101–103. DOI: 10.1007/s10194-009-0098-2.

3 Hagen, Knut; Åsberg, Anders Nikolai; Stovner, Lars; Linde, Mattias; Zwart, John-Anker; Winsvold, Bendik Slagsvold; Heuch, Ingrid (2018): Lifestyle factors and risk of migraine and tension-type headache. Follow-up data from the Nord-Trøndelag Health Surveys 1995-1997 and 2006-2008. In: Cephalalgia : an international journal of headache 38 (13), S. 1919–1926. DOI: 10.1177/0333102418764888.

4 Rasmussen, Birthe Krogh (1993): Migraine and tension-type headache in a general population. Precipitating factors, female hormones, sleep pattern and relation to lifestyle. In: Pain 53 (1), S. 65–72. DOI: 10.1016/0304-3959(93)90057-V.

5 Waldie, Karen E.; McGee, Rob; Reeder, Anthony I.; Poulton, Richie (2008): Associations between frequent headaches, persistent smoking, and attempts to quit. In: Headache 48 (4), S. 545–552. DOI: 10.1111/j.1526-4610.2007.01037.x.

6 http://www.euro.who.int/en/health-topics/disease-prevention/tobacco

7 Scher A.I.; Terwindt G.M., Picavet H.S.J. et al. (2005): Cardiovascular risk factors and migraine. The GEM population-based study. In: Neurology 64 (4), S. 614-620. DOI: 10.1212/01.WNL.0000151857.43225.49

8 https://www.heise.de/tp/features/Rauchen-schadet-nicht-nur-der-Gesundheit-sondern-auch-der-Umwelt-4182759.html