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Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz: Was ist das und wie kann man einen MÜK verhindern?

Zu häufiger Konsum von Medikamenten kann zu einem MÜK führen / Bild: M-sense

Mona Kattwinkel
Mona Kattwinkel

Mona ist Studentin, Bloggerin und nicht zuletzt Migräne-Expertin. Sie leidet an Migräne seit dem sie 8 Jahre alt ist und engagiert sich als Mitglied einer Selbsthilfegruppe für Migräne innerhalb der MigräneLiga e.V. Deutschland.

Wer häufig von Migräne oder Kopfschmerzen betroffen ist, steht vor einem Dilemma: Nimmt man zu wenig Medikamente, können sich Schmerzen über das Scherzgedächtnis chronifizieren. Nimmt man aber zu viele Medikamente, kann es zu einem Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK) kommen. 

Auch wenn es paradox klingt: Schmerzmittel können Schmerzen auslösen. Wer oft unter Schmerzen leidet, sollte sich deshalb mit der Entstehung, Behandlung und Vorbeugung von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen auseinandersetzen.


Was bedeutet MÜK?

MÜK bedeutet Medikamentenübergebrauchskopfschmerz oder auch medikamenteninduzierter Kopfschmerz.


Entstehung eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes

Frei verkäufliche schmerzlindernde Medikamente wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure (Aspirin) oder Ibuprofen halten viele Menschen für harmlos. Fast jeder von uns hat solche Schmerzmittel in seiner Hausapotheke, einige sogar in der Handtasche.

Ohne groß über Risiken oder Nebenwirkungen nachzudenken, greifen viele bereits bei leichten Schmerzen zur Tablette. Die Gefahren, die selbst rezeptfreie Medikamente, mit sich bringen, werden häufig unterschätzt. Jedes Medikament kann aber bei einer falschen Dosierung und zu langer Anwendung gefährlich für die Gesundheit werden.

Die Gefahr eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes bzw. eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes besteht dann, wenn Schmerzmittel an mehr als 10 Tagen im Monat in mehr als drei aufeinanderfolgenden Monaten eingenommen werden. Bei zu häufiger Einnahme von Medikamenten, darunter auch Ibuprofen, Paracetamol, Aspirin oder Triptane, kann sich ein sogenannter medikamenteninduzierter Kopfschmerz einschleichen. 

Ein Medikamentenübergebrauch wird in Einnahmetagen pro Monat definiert. Die Einnahme muss also regelmäßig, zum Beispiel an mehreren Tagen pro Woche erfolgen. Bei einem Limit von 10 Tagen im Monat wären dies durchschnittlich 2-3 Einnahmetage in der Woche. Nimmt ein Patient jedoch aufgrund von einer akuten Erkrankung eine absehbare Zeit lang täglich Schmerzmittel ein und macht danach wieder eine längere Pause ohne Medikation, ist das Entstehen eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes eher unwahrscheinlich.

Doch leider haben Menschen, die unter chronischer Migräne leiden oft an 15 oder mehr Tagen im Monat Kopfschmerzen. Deshalb nehmen sie häufig regelmäßig Medikamente ein und das über Monate oder gar Jahre hinweg. Die Gefahr eines MÜK ist in diesem Falle also recht hoch.


Häufigkeit von medikamenteninduziertem Kopfschmerz

Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DKMG) leiden etwa 500.000 Menschen in Deutschland unter einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz. Von den chronisch Kranken sind es circa 80%, die nach jahrelangen regelmäßigen Einnahme von Schmerzmitteln einen täglichen Dauerkopfschmerz entwickeln.


Symptome eines MÜK

Kopfschmerzen, die auf einen Medikamentenübergebrauch zurückzuführen sind, kann man oft nur sehr schwer diagnostizieren. Es entsteht ein neuer Kopfschmerztyp, eine Mischform aus Migräne und Spannungskopfschmerzen. Der Schmerz kann, selbst innerhalb eines Tages, zwischen dem Symptombild einer Migräne und dem des Spannungskopfschmerzes wechseln. Patienten klagen häufig vom Aufstehen bis zum Schlafengehen über einen täglichen Dauerkopfschmerz.


Diagnose eines MÜK

Wie schon beschrieben, ist die Diagnose eines MÜK nicht immer so einfach. Oft kann sie erst sicher nach Absetzen der Medikamente gestellt werden, nämlich dann, wenn sich der Medikamentenübergbrauchskopfschmerz bessert oder verschwindet.


Kopfschmerz bei Triptanübergebrauch

Von einem Kopfschmerz bei Triptanübergebrauch spricht man, wenn der Patient unter chronischer Migräne, also an mehr als 15 Tagen pro Monat davon betroffen ist, diese einseitig lokalisiert, von pulsierender Qualität und mittlerer bis starker Schmerzintensität sind. Meist leiden die Betroffenen zusätzlich unter Übelkeit und Erbrechen sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit. Typischerweise werden die Schmerzen bei körperlicher Anstrengung schlimmer.

Erfolgt nun eine Triptan-Einnahme – unabhängig von der Darreichungsform – an mehr als 10 Tagen im Monat regelmäßig über mehr als 3 Monate hinweg, besteht ein großes Risiko eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes. Dieser äußert sich durch eine Zunahme der Migränehäufigkeit. Meist kehrt das frühere Kopfschmerzmuster innerhalb von 2 Monaten nach Beendigung der Einnahme der Triptane zurück.


Kopfschmerz bei Schmerzmittelübergebrauch

Bei einem Kopfschmerz durch Schmerzmittel-Übergebrauch muss der Kopfschmerz von drückender, beengender, nicht-pulsierender Qualität, beidseitig lokalisiert und leichter oder mittlerer Intensität sein. Die Einnahme von Schmerzmitteln muss an über 15 Tagen monatlich regelmäßig an mehr als 3 Monaten erfolgen und die Kopfschmerzen müssen sich während der Einnahme verschlechtern. Nach Beendigung der Schmerzmittel-Einnahme kehren die Kopfschmerzen innerhalb von 2 Monaten zu ihrem Ursprungszustand zurück.

Jedes Medikament, das in der Akuttherapie primärer Kopfschmerzen wirksam ist, kann prinzipiell bei falscher Anwendung selbst Kopfschmerzen erzeugen. Dabei ist das Einnahmeverhalten und nicht die Dosis entscheidend.


Behandlung eines MÜK

Die einzige Möglichkeit dem Teufelskreislauf zu entkommen, ist, unter ärztlicher Aufsicht, eine Pause einzulegen. Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen werden behandelt, indem die auslösenden Medikamente abgesetzt werden. Die Einnahme der Schmerzmittel wird radikal für bis zu acht Wochen pausiert. Erst wenn der Betroffene an drei aufeinanderfolgenden Tagen völlig schmerzfrei ist, gilt die Medikamentenpause als beendet.

Der Entzug kann sowohl ambulant als auch in einer Klinik erfolgen, sollte aber auf jeden Fall unter ärztlicher Beobachtung stehen, denn es können massive Entzugserscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Herzrasen, Fieber sowie Schwindelgefühle und Halluzinationen entstehen. Eine geeignete Rehabilitation eines MÜKs erfolgt stationär über 2-3 Wochen durch einen spezialisierten Schmerztherapeuten oder Kopfschmerzspezialisten.


Vorbeugung eines Medikamentenübergebrauchkopfschmerzes

Durch ein kontrolliertes Einnahmeverhalten nach der 10-20 Regel kann ein MÜK vermieden werden. Die 10-20 Regel besagt, dass an mindestens 20 Tagen im Monat keine Akut-Schmerzmittel oder spezifische Migränemittel eingenommen werden dürfen. Und Schmerzmittel nur an weniger als 10 Tagen pro Monat verwendet werden dürfen.

Ganz auf Medikamente zu verzichten und die Schmerzen immer auszuhalten, ist allerdings  auch keine Lösung. Denn andauernder Schmerz führt zu dauerhaften Verhaltensänderungen und Gedächtnisinhalten, welche an zahlreichen Stellen im Gehirn nachhaltig gespeichert werden. Dies nennt man auch Schmerzgedächtnis. Daher ist es wichtig, Schmerzen aktiv zu begegnen und durch gezielte Maßnahmen entgegen zu wirken.

Mithilfe eines Kopfschmerztagebuchs und eines Medikamententrackers, wie in der M-sense App, behält man einen besseren Überblick über seine Medikamenteneinnahmen. Im Pro-Modul unserer App M-sense Active gibt es außerdem Informationen rund um die medikamentöse Behandlung und viel Wissenswertes zu Migräne und Kopfschmerzen. Aus verhaltensmedizinischer Sicht fördert diese Form der Selbstbeobachtung nämlich das Bewusstsein für den eigenen Lebensstil und gibt Impulse zur Verhaltensänderung.


Es müssen nicht immer Medikamente sein!  

Sowohl bei Migräneattacken, als auch bei Spannungskopfschmerzen können neben der medikamentösen Therapie, auch alternative Therapien zum Einsatz kommen. Gute Erfolge zeigen sich bei akuten Schmerzen zum Beispiel mit sogenannten Imaginationsübungen. Anhand der eigenen Vorstellungskraft wird der Schmerz verdrängt oder moduliert. Aber auch die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training, Atem-Meditation  und Ausdauersport zielen auf die Reduktion der Anfallsbereitschaft ab. Zahlreiche Studien zeigen, dass die regelmäßige Anwendung verhaltenstherapeutischer Methoden und Entspannungstechniken langfristig die Anzahl und Intensität der Attacken deutlich reduzieren kann, und das um circa 40 Prozent.