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Migräne: Eine sch(m)erzhafte Ausrede

Mona Kattwinkel
Mona Kattwinkel

Mona ist Studentin, Bloggerin und nicht zuletzt Migräne-Expertin. Sie leidet an Migräne seit dem sie 8 Jahre alt ist und engagiert sich als Mitglied einer Selbsthilfegruppe für Migräne innerhalb der MigräneLiga e.V. Deutschland.

Heute nicht, Schatz!

Jeder hat es schon mal irgendwo gehört oder gelesen – Migräne als Ausrede oder vorgetäuschte Kopfschmerzen: In Filmen und Serien wie „What Women Want“, „Two and a Half Men“ oder „Desperate Housewives“, in Büchern oder im realen Leben. Menschen, die einen Kopfschmerz vortäuschen, um aus einer unangenehmen Situation zu flüchten, einer langweiligen Party zu entgehen oder die öde Arbeit zu vermeiden. Sehr beliebt scheint die Ausrede auch im Schlafzimmer zu sein. „Heute nicht, Schatz – ich hab' Migräne!“ Ein Klassiker unter den Sex-Lügen.


Doch Menschen, die auch nur eine einzige Migräne-Attacke erlebt haben oder Personen kennen, die darunter leiden, reden nie wieder leichtfertig über Kopfschmerzen als Vermeidungsstrategie. Sie können zumindest ansatzweise nachempfinden, wie unerträglich und kopfzerreißend die Schmerzen während einer Attacke sein können und wie unpassend es ist, diese ernste neurologische Erkrankung als Ausrede zu nutzen, um sich vor bestimmten Aktivitäten oder Aufgaben zu drücken.

Migräne ist erbarmungslos, sie kommt wann und wo sie will

Das harmlose Bild, das die Medien von Migräne vermitteln, entspricht in keinster Weise der Wahrheit. Die einseitig stechenden, hämmernden und zehrenden Schmerzen, die einen für mehrere Stunden, in meinem Fall auch gerne für mehrere Tage, außer Gefecht setzen und in einem verdunkelten Raum ins Bett zwingen, sind kaum auszuhalten. Migräne ist erbarmungslos, sie kommt wann und wo sie will!

Worauf man also während einer Attacke erst Recht verzichten kann, ist Unverständnis seitens der Mitmenschen und das daraus resultierende Gefühl, die starken Schmerzen rechtfertigen und den Unterschied zu normalen Kopfschmerzen erklären zu müssen. 

Gerade am Wochenende oder an arbeitsfreien Tagen schlägt die Migräne besonders gerne zu

Einige von euch werden das vielleicht kennen: Man war am Wochenende zu einem Geburtstag eingeladen, drei Wochen später am Freitagabend zum Essen verabredet, eine Woche danach wollte man Samstagmittag ins Kino. Aber jedes Mal erwischte einen eine heftige Migräne-Attacke und damit verbundene Symptome wie Licht- und Lärmempfindlichkeit, Übelkeit, Nackenschmerzen und unter Umständen sogar Sprach-, Gleichgewichts- oder Lähmungserscheinungen. Kollegen, Freunde oder Familie bekommen irgendwann den Eindruck, dass man immer an solchen Tagen Migräne hat und absagt. 


Doch gerade am Wochenende oder an arbeitsfreien Tagen schlägt die Migräne besonders gerne zu, weil sich der Schlaf-Wach-Rhythmus ändert. Der Tagesablauf an den freien Tagen unterscheidet sich zu den Arbeitstagen, die Anspannung lässt nach und das Stresslevel sinkt. Eine Attacke die dann beginnt, wird Wochenend- oder auch Entspannungskopfschmerz genannt. Doch was die Bekannten, Freunde oder Familienmitglieder vielleicht nicht mitbekommen, sind die anderen drei Attacken, die einen an ganz normalen Tagen lahmlegen, an denen nichts Besonderes ansteht. Zumindest mir erging es schon häufig so. 

Für Außenstehende, die weder die Auslöser, Häufigkeit und Stärke eurer Migräne-Attacken kennen, ist es sehr schwierig die Intensität der Schmerzen und die äußeren Umstände einordnen und richtig einschätzen zu können. Hier ist die Kommunikation der Schlüssel. Führt einen offenen Dialog mit euren Kollegen, Kommilitonen, Mitschülern, Freunden oder Familienangehörigen. Teilt euch den Anderen mit, beschreibt ihnen, wie sich eine Attacke anbahnt, anfühlt, wie und wann sie endet. Erklärt ihnen, wie hilflos ihr euch manchmal dabei fühlt, und wie viel lieber ihr der Einladung folgen würdet, als sich mit Migräne in einem alleine zu Hause zu verbarrikadieren und darauf zu warten, dass die Schmerzen endlich nachlassen.

Macht ihnen klar, dass eure Migräne niemals eine Lüge oder Ausrede ist!