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#MigraineFaces – Bianca Leppert: Migräne ist meine Superkraft

„Menschen mit Migräne benötigen manchmal wirklich Superkräfte, um ihren Alltag zu bestreiten". // Bilder: Bianca Leppert

Carol Kacperski
Carol Kacperski

Carol hat Literatur- und Kulturwissenschaften studiert und ein Talent dafür, die Dinge charmant auf den Punkt zu bringen. Bei M-sense liebt sie das posten, sharen und vor allem das Gefühl, etwas Sinnvolles zu bewegen.

Zur Migraine Awareness Week wollen wir gemeinsam mit euch unter dem Hashtag #MigraineFaces darauf aufmerksam machen, wie stark Migräne das Leben einschränkt und wie sehr Betroffene immer noch mit Klischees und Unverständnis zu kämpfen haben.

Viele Migräne-Betroffene fühlen sich unverstanden und nicht ernst genommen. Ob in der Schule belächelt, im Familien- und Freundeskreis missverstanden oder im Job ausgegrenzt, etwa neun Millionen Deutsche, die unter der chronischen Krankheit leiden, kämpfen täglich gegen Vorurteile.

*** Macht mit: Teilt eure Migräne-Geschichten und -Gesichter mit dem Hashtag #MigraineFaces auf Facebook, Instagram oder Twitter – ungeschminkt oder stilisiert, alles ist erwünscht 🤕😎🤮🤠😵👽🤯 ***


So geht es Bianca mit ihrer Migräne:


Zwei- bis dreimal im Monat leidet Bianca Leppert mehr als drei Tage lang unter ihrer Migräne, die sie als Superkraft bezeichnet und scherzhaft Erna nennt. Jetzt, nach 20 Jahren in Koexistenz mit Erna, weiß sie, dass ein geregelter Alltag ihre Schmerzattacken im Zaum halten kann. Die Journalistin aus München macht in ihrem Podcast und ihrem gleichnamigen Buch “Ich hab’ Migräne – Und was ist deine Superkraft?” (EVT 9.9., Komplett Media) anderen Betroffenen Mut und will mit Migräne-Mythen aufräumen.

Seit wann und wie oft hast du Migräne?

Ich habe seit mehr als 20 Jahren Migräne; es fing in meiner Jugend an. An meine erste Migräne-Attacke erinnere ich mich noch genau. Am Anfang hatte ich sie eher sporadisch, heute habe ich zwei bis drei Anfälle pro Monat, die ein bis drei Tage dauern.

Was machst du gegen die Schmerzen?

Es hat lange gedauert, bis ich die richtige Schmerztherapie im Akutfall für mich gefunden habe. Ich greife mittlerweile auf spezielle Migräne-Medikamente, die Triptane, zurück, weil nichts anderes zuverlässig hilft. Manchmal kann ich eine Attacke im Anfangsstadium abwenden, wenn ich Ingwer zu mir nehme – das hilft auch gegen die Übelkeit.

Das Kopfschmerztagebuch von unserer Migräne-App M-sense hilft, die Gleichmäßigkeit im Alltag beizubehalten. Das Tolle daran: Einträge in den Bereichen Ernährung, Schlafdauer, Stresslevel und Co. werden mit Hilfe von mathematischen Berechnungen automatisch auf ihr Triggerpotenzial untersucht. Auch vorbeugende Entspannungsübungen und Ausdauersport lassen sich mit M-sense durchführen und tracken.

Zur Vorbeugung, die mindestens genauso wichtig ist, um nicht zu viele Schmerzmedikamente zu nehmen, hilft mir die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson sehr – sie hat sich in Studien als wirksam erwiesen. Auch Ausdauersport und Regelmäßigkeit in meinem Alltag sind wichtig: Keine Mahlzeit auslassen, ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, die gleiche Menge Kaffee.

Ganz wichtig ist für mich aber das richtige Mindset.

Weil Migräne eine chronische Erkrankung ist, die derzeit nicht heilbar ist, habe ich für mich einen guten Weg gefunden, damit zu leben und erzähle anderen davon in meinem Buch Ich hab’ Migräne – Und was ist deine Superkraft?, das am 9.9. bei Komplett Media erscheint.


#MigraineFaces: Bianca Leppert


Wie läuft eine Attacke bei dir ab?

Früher hatte ich oft eine Aura. Ich habe beinahe mal eine Straßenlaterne gerammt, weil ich auf einem Auge nicht mehr richtig sehen konnte. Oder war total erschrocken, als sich die Hälfte meiner Zunge taub anfühlte. Heute habe ich meistens Migräne-Attacken ohne Aura. Sie dauern bei mir dafür recht lange – oft drei Tage.

Ich nenne meine Migräne Erna, das hilft mir, besser mit ihr umzugehen. Erna kriecht zu Beginn ganz langsam den Nacken hinauf, es fühlt sich an, als habe man ein Schleudertrauma.

Mein Kiefer ist so verspannt, als habe ich stundenlang Kaugummi gekaut. Ich werde schlagartig müde und muss im Minutentakt gähnen. Zusätzlich wird mir furchtbar übel. Dann setzt der Schmerz ein, meistens hinter dem Auge, das so heftig pocht, als wolle es aus dem Gesicht springen.

Ich beschreibe es gerne so: Dir ist bei Migräne so übel, wie wenn du eine Magen-Darm-Grippe hast, du bist so geschwächt wie bei einer Grippe mit Fieber und hast die schlimmsten Kopfschmerzen deines Lebens – alles zusammen, ein bis drei Tage lang und das mehrmals im Monat ohne Ankündigung.


Wann hast du dich besonders stigmatisiert gefühlt?

Ich war einmal auf einer Party einer Freundin. Es wurde getrunken und gefeiert. Weil ich an dem Abend keinen Alkohol trinken wollte, um keine Migräne zu riskieren, habe ich die ersten blöden Kommentare von den Gästen bekommen – ich sei ja eine Spaßbremse.

Als ich dann auch noch als eine der ersten nach Hause gehen wollte, hagelte es erst recht Sprüche à la “Bist du langweilig. Du machst die ganze Stimmung kaputt”.

Heute stehe über solchen Reaktionen, früher hat mich das noch sehr getroffen. Der Spruch “Nimm halt eine Tablette”, weil Menschen Migräne für einfache Kopfschmerzen halten, ist an der Tagesordnung. Da kläre ich gerne darüber auf, dass Migräne eine komplexe neurologische Erkrankung ist.

Journalistin Bianca Leppert hat gerade ihr neues Buch über Migräne veröffentlicht.


Warum sprichst du über deine Migräne?

Ich habe mein Buch “Ich hab’ Migräne – Und was ist deine Superkraft?” (EVT 9.9., Komplett Media) geschrieben, weil ich anderen Menschen mit Migräne Mut machen will. Und das auf eine erfrischende und humorvolle Art.

Es gibt noch viel zu wenig Aufklärung über Migräne – und leider viel zu viele Mythen. Als Journalistin will ich aufklären und von meinen eigenen Erfahrungen mit Migräne erzählen.

Warum Superkraft? Weil Menschen mit Migräne wirklich manchmal Superkräfte brauchen, um ihren Alltag zu bewältigen. Zum anderen weil ihre Sinne besonders geschärft sind – sie also tatsächlich Superkräfte haben. Passend zum Buch gibt es den gleichnamigen Podcast und meinen Instagram-Account @migraene_superhelden.