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Not Just A Headache – Bekannte und unbekannte Symptome von Migräne

Mona Kattwinkel
Mona Kattwinkel

Mona ist Studentin, Bloggerin und nicht zuletzt Migräne-Expertin. Sie leidet an Migräne seit dem sie 8 Jahre alt ist und engagiert sich als Mitglied einer Selbsthilfegruppe für Migräne innerhalb der MigräneLiga e.V. Deutschland.

Migräne ist eine hochindividuelle Krankheit – jeder hat andere Auslöser, jeder hat andere Schmerzen. Aber nicht nur das, neben Kopfschmerzen gibt es viele verschiedene andere Symptome, die die meisten Menschen gar nicht kennen. Aura und Übelkeit sind die bekanntesten unter ihnen – aber auch hier gibt es viele verschiedene Variationen. 

Solche Symptome sorgen manchmal für lustige und manchmal für peinliche Momente in der Öffentlichkeit. Wir haben Migränebetroffene gefragt und sie erzählen lassen, was sie bisher alles erlebt haben.

Mögliche Symptome einer Migräne Attacke

Nicht jeder Migränebetroffene hat die ganze Palette an Symptomen, aber die folgende Liste zeigt, welche Beschwerden neben den einseitig stark pulsierenden oder pochenden Kopfschmerzen bei Migräne ebenfalls auftreten können.

Eine Migräneattacke dauert meistens 4 - 72 Stunden und lässt sich in verschiedene Phasen einteilen, in denen unterschiedliche Symptome auftreten. In der Vorbotenphase kündigt sich die bevorstehende Attacke bereits ein paar Tage vorher durch sogenannte "Vorboten" an. Bei einer Migräne mit Aura gibt es eine zusätzliche Phase, in der Sinnesstörungen und andere neurologische Ausfälle vor dem Kopfschmerz auftreten. Die Schmerzphase kennzeichnet sich durch mittlere oder starke einseitige, pulsierende oder pochende Kopfschmerzen. In der Rückbildungsphase folgt aus Erschöpfung häufig eine Schlafphase, in der die Attacke abklingt und die Schmerzen nachlassen.
  • Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Heißhungerattacken, Appetitlosigkeit, vermehrter Durst, vermehrter Harndrang
  • Kreislauf-Beschwerden: Schwindelgefühle, Schwitzen, Frieren, Gangunsicherheit, Konzentrationsschwierigkeiten, beschleunigter Puls, Schwäche, Blässe, Hautrötung, starkes Gähnen, abwechselnde Kälte- und Hitzeschauer, Müdigkeit, Schlafstörungen, Abgeschlagenheit
  • Neurologische Beschwerden: Seh-, Sprach- und Wahrnehmungsstörungen, visuelle Phänomene, Lichtblitze, Doppelbilder,Taubheitsgefühle, Kribbeln, Missempfindungen, Lähmungserscheinungen, unkontrollierte Zuckungen, Nackenschmerzen
  • Stimmung: Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Launenhaftigkeit, depressive Verstimmung, Über- und Unteraktivität
  • Empfindlichkeiten: Licht- und Lärmempfindlichkeit, Geruchsempfindlichkeit

All das kann dir während einer Migräneattacke passieren!


Neurologische Ausfälle

»Ich war auf einem Seminar in der Uni und hatte meine erste Aura. Ich wusste nicht so recht, was mit mir los war – musste aber meine gesamte Kraft dafür aufwenden, normal zu wirken. Als ich dann etwas gefragt wurde, kam der Supergau: Ich konnte absolut keinen vollständigen Satz bilden – der Seminarleiter hat mich angeschaut wie ein Auto.«
»Ich habe während der Streetparade einen Anfall gehabt mit Aura: Sprachausfall, Lähmungserscheinungen, und so weiter. Beim Notfallzelt musste ich mir zuerst dumme Sprüche anhören und einige Drogentests über mich ergehen lassen, weil mir niemand glaubte dass ich “nur” eine Migräne hatte…«
»Das schlimmste Erlebnis war für mich bei meiner Arbeit in der Kita. Es fing wieder von jetzt auf gleich an, als ich gerade einem Kind etwas vorlas. Ich konnte die Buchstaben nicht mehr erkennen und sah verschwommen mit einem Glitzerpunkt. Ich hatte so einen heftigen Anfall mit Aura, ich wusste gar nicht mehr wie ich heisse oder Ähnliches. Der Notarzt musste kommen, weil ich nicht mehr ansprechbar war. Einfach nur total unangenehm…«


Empfindlichkeiten

»Immer wenn ich Migräne habe, kämpfe ich mit extremer Lichtempfindlichkeit. Der Handybildschirm war viel zu hell für meine Augen und ich erkannte die Buchstaben kaum. Als ich meiner Mutter auf ihre Nachricht antwortete, rief sie mich daraufhin verärgert an und fragte, ob ich allen Ernstes bereits um 12 Uhr mittags betrunken sei.«


Magen-Darm-Beschwerden

»Immer wenn ich Migräne bekomme, habe ich wahnsinnige Heißhungerattacken. Ich esse dann alles mögliche, querbeet, völlig durcheinander. Als ich einmal auf einem Geburtstag war und das ganze Buffet plünderte, wurde ich dreimal gefragt, ob ich schwanger sei, weil ich den Schokoladenkuchen mit dem Tomaten-Mozzarella-Salat kombiniert habe.«
»Ich habe ziemliche Flugangst und bekam vor dem bevorstehenden Rückflug nach Hause Migräne. Als wir am Check-In standen, war mir wegen der Schmerzen so übel, dass ich einer Frau, die vor mir stand, vor den Koffer kotzte. Leider traf ich zum Teil auch ihr Gepäck. Ich war so benommen, dass ich mich nicht einmal bei ihr entschuldigt habe.«


»Ich bekam auf der Arbeit Migräne und fuhr mit der Bahn nach Hause, mir war so schwindelig und übel, dass ich mich im Zug übergeben musste und dann ohnmächtig wurde. Ich lag in meiner eigenen Kotze, als ich wieder zu mir kam. Alle im Zug dachten, ich wäre betrunken. Keiner kam auf die Idee, dass ich Migräne habe.«


Kreislauf-Probleme

»Mir wird bei einer Migräneattacke immer total schwindelig und ich habe Schwierigkeiten geradeaus zu laufen. Auf meinem Nachhauseweg stolperte ich erst über einen Stein, der auf dem Weg lag, lief dann gegen eine Ampel, versuchte mich noch an ihr festzuhalten, und fiel dann auf den Boden. An der Ampel stand noch eine Mutter mit ihrem Kind, dass ganz verwundert fragte: ,,Mama, was hat die Frau? Kann die nicht normal laufen?’’ Hätte ich nicht so Schmerzen gehabt, hätte ich lachen müssen.«


»Ich zittere immer stark, wenn sich eine Attacke anbahnt. Damals saß ich als Praktikantin in einer Konferenz mit wichtigen Geschäftsmännern der Firma. Es war eine große Ehre für mich, an diesem Seminar teilnehmen zu dürfen – und ich ließ mein Glas mit Wasser fallen, weil ich es nicht mehr festhalten konnte. Das Wasser lief auf wichtige Dokumente und alles war nass. Das war mir so peinlich…«
»Ich hatte meine Tochter gerade in den Kindergarten gebracht und wollte mich nach der Einnahme eines Mittels gegen die Übelkeit bei der Migräne nur ein wenig ausruhen. Meinen damals 10 Monate alten Sohn setzte ich mit Spielzeug vor das Sofa, auf das ich mich legte. Als das Telefon klingelte schreckte ich auf. Der Kindergarten war dran und wollte wissen, warum ich meine Tochter nicht abholen würde... Ich hatte einen Filmriss von ca. 4 Stunden. Gott sei Dank war meinem Sohn in der Zeit nichts passiert…«


Verstimmungen

»Mir ist es oft peinlich, dass ich immer wieder nach Medikamenten fragen muss. Ich fühle ich mich dann wie eine Drogensüchtige, dabei ist das doch eine ganz normale Krankheit…«


»Ich bin mit 15 Jahren in meiner Punk-Zeit mit der S-Bahn nach Hause gefahren. Ich kam von der Schule und dann begann es. Von jetzt auf gleich. Dieser hämmernde unerträgliche Schmerz. Ich dachte nur, hoffentlich wird mir nicht auch noch schlecht. Ich kramte in meiner Tasche und fand eine Plastiktüte. Niemals hätte ich den Boden der S-Bahn vollreiern wollen. Natürlich wurde mir schlecht. Es wurde immer schlimmer und ich dachte ich sterbe gleich. Das bisschen was ich noch mitbekam waren die bohrenden Blicke. Die Kommentare wie asozial ich bin. Das ich mir einen Job suchen soll. Das ich das schlimmste sei, dass die Gesellschaft hervorbringen kann. Es war so schlimm, dass ich anfing zu weinen. Nur dadurch wurde es noch schlimmer. Ich übergab mich. Sie nannten mich Säuferin und das ich meine Eltern beschämen würde. Ich war so hilflos. Ich konnte nichts sagen, mich nicht verteidigen.«


Kannste dir nicht ausdenken

»Ich wollte mir Kaffee kochen und habe vergessen, Kaffeepulver in die Maschine zu geben. War etwas irritiert, als ich eine Kanne mit heißem Wasser bekam.«
»Ich kaufe Tabletten während eines Anfalls und zahle mit Karte. Keine Minute später maule ich die Frau an, dass ich noch Rückgeld bekomme. Das war mir dann doch recht unangenehm, als sie mich aufklärte…«


»Ich hab während eines Anfalls im Büro die Plastikpflanzen von Ikea gegossen.«
»Dröhnender Kopf auf der Arbeit. Ich will mir "nebenbei" einen Kaffee machen, als ein Junge aufgeregt ankommt. Er erklärt mir sein Problem, ich höre zu und hantierte nebenher weiter... Er redet und redet, ich gucke ihn an, erwidere was, drücke kurz den Startknopf der Espressomaschine, dreh mich wieder zu ihm, er redet stockend weiter. Irgendwann ein leises "Caro...vielleicht solltest du auch eine Tasse unterstellen...oder?" All der Kaffee lief da aber natürlich schon überall hin.«