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Ohne Worte – Musik über und für Kopfschmerzgeplagte

Birgit Schmitz
Birgit Schmitz

Birgit Schmitz leitet den Hamburger Verlag Hoffmann & Kampe und ist Schriftstellerin. In ihrem Buch "Der Schmerz ist die Krankheit" schreibt sie über ihre chronischen Spannungskopfschmerzen.

Manchmal will man nicht mehr reden, dann ist auch genug geschrieben und gelesen worden. Deshalb stelle ich heute die Top10 jener Songs vor, die mich durch meine Kopfschmerzen begleitet haben.

Natürlich kann diese Auswahl nur total persönlich, subjektiv und so große Lücken wie der Marianengraben aufweisen. Aber vor allem soll und kann sie von jedem abgewandelt, ergänzt oder gar komplett neu gemacht werden.

Mir geht es bei den Songs nicht darum, ob sie tatsächlich von Migräne oder Kopfschmerzen handeln. Viel mehr reflektieren sie Aspekte meiner Krankheit, haben mit Zuständen und Stimmungen zu tun. Deshalb gilt für diese Liste: Nichts ist zu banal, nichts zu peinlich (ausgenommen „Hurts so Good“ von John Mellencamp – das geht nun gar nicht).



Den Anfang macht jedoch ein ernstes und ernstzunehmendes Stück Musik:

10. Richard Wagner „Siegfried, 1. Akt“

Vieles deutet daraufhin, dass Richard Wagner, selbst unter Migräne leidend, im Auftakt zur Oper „Siegfried“ eine Migräne-Attacke samt Aura verarbeitet hat. Das behauptet jedenfalls die Forschung.

KEY LINE: Zwangvolle Plage! Müh’ ohne Zweck!


Weniger klassisch, aber dafür inzwischen mit dem Nobelpreis für Literatur bedacht: 

9. Bob Dylan „Make you feel my love“

In allen Phasen meines Lebens habe ich Bob Dylan gehört, (durch die Pubertät half mir „Blond on Blond“) auch als ich mich mit meiner Krankheit auseinandersetzen musste. Sein Album „Time out of Mind“ – Ausnahmezeit, Zeit außerhalb meines Verstandes, von Sinnen sein – beschrieb nicht schlecht, wie ich mich damals häufig fühlte. Darauf findet sich wohl eines der schönsten Liebeslieder, die Bob Dylan je verfasst hat: „Make you feel my love“. Blendet man diesen Zusammenhang aus, versucht hier jemand bloß Stück Trost und Zuneigung zwischen die Widrigkeiten des Lebens zu mogeln.

KEY LINE: When the rain is blowing in your face // and the whole world is on your case // I could offer a warm embrace // to make you feel my love


Wer Bob Dylan sagt, muss auch Neil Young sagen:

8. Neil Young „Helpless“

Selbsterklärender Titel. Der Song stammt eigentlich aus der ganz frühen Zeit mit Crazy Horse, aber die unplugged Version aus dem Sommer 1993 strahlt eine magische Ruhe aus, die einen wieder Zuversicht schöpfen lässt.

KEY LINE: Big birds flying across the sky // Throwing shadows on our eyes 

7. Daniel Johnston „Life in Vain“ 

Daniel Johnston ist einer der tragischen Helden der Popmusik. Gesegnet mit unfassbarem Talent, beendeten psychotische Episoden immer wieder Anflüge einer großen Karriere (auch wenn Musikgrößen wie Sonic Youth oder Kurt Cobain immer wieder versuchten, ihm auf die Füße zu helfen). Seine Songs sind so ungeschützt und zerbrechlich, dass es unmöglich scheint in dieser Düsterheit soviel Glitzerndes und Funkelndes zu finden. Aber es ist da. 

KEY LINE: Everybody is wearing a frown // Waiting for Santa to come to town


Bevor ich mich hier ganz verliere und es zu düster wird, hier mal etwas mit uplifting Beats und Tendenz: 

6. Alanis Morisssette „Ironic“ 

Migräne und Kopfschmerz sind Krankheiten nicht ohne Ironie: Wird doch den Menschen, die darunter leiden, gern höhere Sensibilität, größere Kreativität und allgemein Außergewöhnliches nachgesagt. Ich kann ja gut ohne „außergewöhnlich“. 

KEY LINE: An old man turned ninety-eight // He won the lottery and died the next day … Life has a funny way of sneaking up on you // Life has a funny, funny way of helping you out.


5. Joni Mitchell „Big Yellow Taxi“

Die Sprüche der Eltern, Onkel und Tanten klangen leider nie so funky. Aber letztlich meinten sie nichts anderes, wenn sie davon anfingen, dass Gesundheit doch das wichtigste sei. 

Genau, Hauptsache gesund.

KEY LINE: Don't it always seem to go // That you don't know what you've got till it's gone?


4. Frédéric Chopin, Nocturne in Es-Dur

Trotz Migräne schrieb Fréderic Chopin die wundervollsten Stücke. Oder vielleicht gerade deshalb? Er und sein Kollege Claude Debussy litten unter der Krankheit. Debussy berichtet über acht Stunden anhaltende Attacken und Alpträume. Wie Musik und Gehirn zusammenhängen, kann man in dem schlauen wie unterhaltsamen Buch von Oliver Sacks Der einarmige Pianist: Über Musik und das Gehirn“ nachlesen. 

KEY LINE: Wie merkwürdig doch der Anblick einer ganzen Spezies ist – Milliarden von Menschen, die mit bedeutungslosen Tonmustern spielen und ihnen lauschen, die einen großen Teil ihrer Zeit mit etwas beschäftigt sind, was sie Musik nennen und darin völlig versinken. (Oliver Sacks)


3. R.E.M. „Everybody Hurts“

Keine Frage, dieses Stück sammelt verschiedenste Formen von Schmerz auf nur 5:20 Minuten und schafft es noch ein Fünkchen Hoffnung in die Welt zu schicken.

KEY LINE: Everybody hurts // Take comfort in your friend

 

2. Johann Sebastian Bach „Cello Suite Nr. 1 in G-Dur“

KEY LINE: Ohne Worte.


1. Johnny Cash „Hurt“

Dieser Song dürfte alle Schmerz-Listen der Welt anführen. Warum auch nicht. Unter allen Schmerzensmännern war Johnny Cash ein ganz großer.

KEY LINE: I focus on the pain // The only thing that's real


Außer Konkurrenz: 

Prince „Purple Rain“

Prince verstarb im letzten Jahr an einer Überdosis Fentanyl, ein hochpotentes Schmerzmittel. Die Geschichte hat mich unendlich traurig gemacht, weil Prince seit Jahren unter chronischen Hüftschmerzen litt und ihm – auch die besten Ärzte – nicht helfen konnte. Es heißt, er konnte schon seit Jahren seine aufwendigen Bühnenshows nur mit Schmerzmitteln schaffen. R.I.P.

KEY LINE: I never meant to cause you any sorrow // I never meant to cause you any pain // I only wanted one time to see you laughing // I only wanted to see you laughing in the purple rain


Birgits Playlist mit Songs zu Migräne und Kopfschmerzen findet ihr auf dem Spotify-Account von M-sense. Sendet uns gerne eure persönlichen Migräne- & Kopfschmerzsongs und wir fügen sie der Playlist hinzu.