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Oliver Sacks: Der Dichter unter den Neurologen

Oliver Sacks (2013) | Bild: Maria Popova

Dr. rer. nat. Markus A. Dahlem
Dr. rer. nat. Markus A. Dahlem

Dr. Markus Dahlem forscht seit mehr als 25 Jahren über die Entstehung der Migräne. Als Physiker interessiert ihn grundsätzlich, ob mathematische Berechnungen etwas zum Grundverständnis von Erkrankungen beitragen können. 

Oliver Sacks wurde mit humorvoll-anekdotischen Geschichten bekannt, in denen er neurologische Krankheitsbilder sehr anschaulich darstellte. Für Sacks, der selbst in seiner Kindheit unter Migräneattacken und Geschichtsblindheit litt, stand der einzelne Mensch immer im Zentrum seiner Forschungsarbeit. Sacks Buch: »Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte«, zählt zu seinen bekanntesten Werken.

Oliver Sacks wäre heute 85 Jahre alt geworden. Mitte der 1990er Jahre, als meine erste wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht wurde, entschied ich mich, Dr. Sacks einen Abdruck der Veröffentlichung zu schicken. In seinem gerade in erweiterter Fassung erschienen Buch mit dem Titel »Migräne« ging Dr. Sacks auf ganz aktuelle Forschungsthemen der Chaos-Theorie und deren Bedeutung für die Migräneerkrankung ein. Migräne und Chaos-Theorie waren auch mein Forschungsgebiet. Meine Veröffentlichung handelte von der Entstehung spiralförmiger Muster im Gehirn, die Sehstörungen im Vorfeld einer Migräneattacke erzeugten. Einen Abdruck an Wissenschaftler zu schicken, die an ähnlichen wissenschaftlichen Fragen arbeiteten, war und ist immer noch durchaus üblich. Heute würde man natürlich eine PDF-Datei per E-Mail versenden. Die Bilder meiner Veröffentlichung wurden noch mit dem Fotoapparat geschossen und ich erhielt vom Verlag 100 Abdrucke per Post, die ich dann an Kollegen weiter schicken konnte. Keine vier Wochen später – eine heute lächerlich lang erscheinende Zeit – erhielt ich eine sehr persönliche Antwort zurück. Ein mit Schreibmaschine geschriebener Brief, inklusive zahlreicher handschriftlicher Anmerkungen.

Migräne und Chaos-Theorie

Noch einige Male sollten wir hin und her schreiben. Ich stieg allerdings im Laufe der Zeit um auf E-Mail, Dr. Sacks antworte immer mit einem Brief. Eine erst persönliche Verabredung in New York 2014 musste er kurzfristig absagen. Kurz darauf, vor drei Jahren, verstarb er.

Dr. Sacks Leben und Werk orientierte sich immer an der individuellen Persönlichkeit des Patienten und stellt diese in den Mittelpunkt. Das hat mich tief beeindruckt. In seinem Buch „Migräne“, das in erster Fassung schon 1970 erschien, schrieb er, das ihn »vernebelte Bereiche« interessierten, die den Rahmen »rigider Nosologien [Krankheitslehren]« sprengen. In seinen vielen weiteren – gerade auch in Deutschland – sehr populären Sachbüchern machte er neurologische Krankheiten auf eine ihm ganz eigene Weise jedermann zugänglich, indem er seine Fallgeschichten unterhaltsam und zugleich menschlich darstellt.

Der Mensch im Mittelpunkt seiner Forschung 

Seinen Ansatz sah ich nie im Widerspruch zur medizinisch evidenzbasierten oder gar naturwissenschaftlichen Beschreibung dieser Krankheiten. Er, der den digitalen Medien skeptisch gegenüberstand und nie einen Computer zum Schreiben nutze, nahm ironischerweise die Definition der heute sogenannten “digitalen Therapeutika” vorweg, nämlich fortlaufend die klinische Forschung mit dem genauen Erfassung und Analyse von ganz persönlichen Krankheitsverläufen zu ergänzen und diese individuellen Verläufe – Real World Data – zur Beurteilung der Effektivität der vielfältigen Behandlungsformen einer Krankheit hinzuzuziehen.

Uns alle bei M-sense motiviert genau das: die vernebelten Bereiche aufzuklären und statt starren Krankheitslehren zu folgen genau auf den Patienten mit M-sense einzugehen und ständig unser Angebot für diese Bedürfnisse zu erweitern.

In diesem Sinne: Happy Birthday Dr. Sacks. You are a continuing source of inspiration.