Durch die Nutzung unserer Website erklärst du dich ausdrücklich mit dem Einsatz von Cookies und der Verwendung deiner persönlichen Daten zum Zweck der Verbesserung unseres Internetangebots einverstanden. Diese Einwilligung umfasst auch den Einsatz von Dienstleistern durch uns, sowie die Weitergabe deiner Daten zu diesem Zweck. Nähere Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung. .

Ich stimme zu

Spannungskopfschmerzen: Medizinische Ursachen, Symptome & Therapien

Mona Kattwinkel
Mona Kattwinkel

Mona ist Studentin, Bloggerin und nicht zuletzt Migräne-Expertin. Sie leidet an Migräne seit dem sie 8 Jahre alt ist und engagiert sich als Mitglied einer Selbsthilfegruppe für Migräne innerhalb der MigräneLiga e.V. Deutschland.

Von den über 200 Arten von Kopfschmerzen weltweit, sind Spannungskopfschmerzen die häufigste Kopfschmerzart, sie werden auch als Kopfschmerz vom Spannungstyp bezeichnet. Generell unterscheidet man zwischen primären und sekundären Kopfschmerzen. Beim Kopfschmerz vom Spannungstyp handelt es sich um eine eigenständige Erkrankung, also um primäre Kopfschmerzen. Sekundäre Kopfschmerzen hingegen zeigen sich häufig als Symptome einer anderen Krankheit und werden zum Beispiel bei Kopfverletzungen, Gefäßerkrankungen, Infektionskrankheiten oder einem Medikamentenübergebrauch hervorgerufen.

Symptome

Spannungskopfschmerzen sind episodisch auftretende, leichte bis mittelschwere Kopfschmerzen, mit einer Dauer von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen. Der Schmerz fühlt sich meist pressend, ziehend oder dumpf an. Vielen Betroffenen fällt es schwer den Schmerz klar zu lokalisieren. Wenn doch, dann tritt er meist beidseitig in der Schläfenregion auf. So als hätte man einen zu kleinen Helm auf oder ein zu eng gespanntes Tuch um den Kopf. Im Unterschied zur Migräne gibt es in der Regel keine Begleiterscheinungen und die Schmerzen verschlimmern sich nicht bei Bewegungen. Im Gegenteil: Manchmal werden die Schmerzen bei einem langen Spaziergang sogar besser!

Häufigkeit

Rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung hat mindestens einmal pro Monat Spannungskopfschmerzen, drei Prozent von ihnen leiden sogar an chronischen Spannungskopfschmerzen. Ähnlich wie bei Migräne, sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Kopfschmerzen werden am häufigsten im Alter von 19 Jahren diagnostiziert. Knapp 20 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer dieser Altersgruppe sind von Spannungskopfschmerzen betroffen. Die Zahl der 18- bis 27-Jährigen mit einer Kopfschmerzdiagnose ist im Zeitraum von 2005 bis 2015 um 42 Prozent gestiegen.

Formen und Diagnostik

In der Diagnostik des Spannungskopfschmerzes unterscheidet man drei unterschiedliche Verlaufsformen, welche auch ineinander übergehen können. Die leichteste Form wird als »sporadisch auftretender episodischer Kopfschmerz vom Spannungstyp« bezeichnet. Hierbei dürfen die Schmerzen nicht häufiger als einmal pro Monat und 12x im Jahr auftreten. Letztlich gilt diese Form als nicht behandlungsbedürftig.  Als »häufig auftretender episodischer Spannungskopfschmerz« gilt eine Häufigkeit von 2-14x pro Monat. Von »chronischen Spannungskopfschmerzen« spricht man, wenn die Beschwerden durchschnittlich an über 15 Tagen im Monat über mindestens 3 Monate auftreten, oder anders formuliert: an mindestens 180 Tagen im Jahr.

Auslöser

Spannungskopfschmerzen entstehen multifaktoriell, d.h. durch mehrere Ursachen. Dabei spielt Stress eine entscheidende Rolle. Recht passend dazu hat man Spannungskopfschmerzen früher auch »Stresskopfschmerzen« genannt. Längerer psychosozialer Stress, wie Stress am Arbeitsplatz oder Partnerschaftskonflikte, schwächt nämlich das sensible körpereigene Schmerzabwehrsystem. Unser Gehirn ist eigentlich bemüht, das Schmerzempfinden so zu regulieren, dass nicht jedes Ziepen bewusst als Schmerz wahrgenommen wird. Die Schmerzinformationen aus den Nervenbahnen des gesamten Körpers laufen im Gehirn zusammen. Dort kann die Verarbeitung über chemische und elektrische Mechanismen gesteuert und gefiltert werden – ähnlich wie bei einem guten Radio, wo wir auch Höhen und Tiefen einstellen können. Das Öffnen und Schließen der Filter wird im Gehirn vor allem über verschiedene Botenstoffe reguliert. Dabei spielt der Neurotransmitter Serotonin eine besondere Rolle. Durch Stress kann es jedoch zu einem Mangel an diesen wichtigen Botenstoffen kommen, wodurch die Schmerzregulation nicht mehr gut genug funktioniert. Es ist wichtig zu wissen, dass sich generelle Veränderungen in unserer Schmerzregulation am stärksten im Kopf- und Nackenbereich auswirken, da die Nervenbahnen dort besonders sensibel sind. Dies begünstigt natürlich Kopfschmerzen.

Auch scheinen stressbedingte Lebensstilveränderungen – wie weniger Bewegung, ein unregelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, unregelmäßige Mahlzeiten oder mehr Alkohol- und Nikotinkonsum – Kopfschmerzen auszulösen.

Interessant ist natürlich die Frage, ob Spannungskopfschmerzen sich auch auf Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich zurückführen lassen. Die Antwort ist: Jein! Ein Großteil der Betroffenen weist tatsächlich deutliche Schulter- und Nackenverspannungen auf, nur eben nicht jeder. Gründe für eine verspannte Muskulatur können körperliche Fehlhaltungen, wie eine ungünstige Körperhaltung am Computerarbeitsplatz, oder eine Schwäche der Rückenmuskulatur sein. Durch eine dauerhafte Anspannung der Muskulatur, wird die Durchblutung der Muskulatur erschwert und es können sich die sogenannten »Triggerpunkte« bilden. Triggerpunkte, welche manchmal sogar als kleine verhärtete Knötchen tastbar sind, sind Muskelstellen mit einer besonders hohen Druckschmerzempfindlichkeit. Aktive Triggerpunkte können jedoch in vielseitige Richtungen, auch in den Kopf ausstrahlen.

Eine weitere, häufig unbeachtete Ursache, können Kiefer- und Zahnfehlstellungen, nächtliches Zähneknirschen und eine dadurch resultierende verspannte Kaumuskulatur sein. Um dem vorzubeugen, sind regelmäßige Kontrollen durch den Zahnarzt oder Kieferorthopäden sinnvoll. Dieser kann angepasste Biss-Schiene zur Entlastung des Kiefergelenks anfertigen oder Zahnfehlstellungen korrigieren.

Ursachen

Die genauen wissenschaftlichen Ursachen der Spannungskopfschmerzen konnten bisher noch nicht eindeutig geklärt werden, jedoch ist die gängigste Ursache muskuläre Verspannungen im Nacken-, Hals- und Schulterbereich. Diese dauerhafte Anspannung aktiviert Schmerzrezeptoren, wodurch die Kopfschmerzen ausgelöst werden. Gründe für eine verspannte Muskulatur können körperliche Fehlhaltungen oder ungünstige Körperhaltungen am Arbeitsplatz sowie eine Schwäche der Rückenmuskulatur sein.

Als weitere mögliche Ursache führen Wissenschaftler kieferorthopädische Probleme wie zum Beispiel nächtliches Zähneknirschen an.

Maßnahmen und Behandlung

Generell sollte der Prophylaxe von Spannungskopfschmerzen eine besondere Bedeutung zukommen. Dabei spielen Strategien zur Stressreduktion eine besondere Rolle. Neben einer bewussteren und ausbalancierteren Alltagsgestaltung werden die regelmäßige Durchführung von Entspannungsverfahren (Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Atemtherapie, Autogenes Training) empfohlen. Diese bewirken, neben der Entspannung der Muskulatur, auch einen Abbau der Stresshormone und eine Regeneration der körpereigenen Schmerzabwehrsysteme. Einen weiteren wichtigen Faktor stellt regelmäßiges Ausdauertraining dar. Empfohlen wird Ausdauersport wie Radfahren, Joggen oder Schwimmen und das am besten 3x 30 Minuten pro Woche.

Speziell gegen verspannte Nacken- und Schultermuskulatur können auch gezielte physiotherapeutische Übungen zum Dehnen und Lockern der Muskulatur und die Bearbeitung der Triggerpunkte helfen. Physiotherapeuten können diesbezügliche Anleitungen geben. Auch wirken sich Wärme- und Kälteanwendungen positiv auf die Durchblutung der Muskulatur aus und können Verspannungen lindern. Um die Ursache für muskuläre Verspannungen zu beseitigen, sollte beim eigenen Arbeitsplatz darauf geachtet werden, dass die Höhenrelation von Tisch und Stuhl, die ergonomische Arm- und Rückenlehnen sowie der Blickwinkel auf den Bildschirm individuell auf den Benutzer angepasst werden.

Leicht bis mittelstarke Kopfschmerzen können auch mit rezeptfreien Arzneimitteln wie Acetylsalicylsäure (Aspirin), Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden. Hierbei sollte man jedoch darauf achten, dass man diese Medikamente nicht zu häufig einnimmt und nicht das Risiko eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes (MÜK) eingeht. Wenn Kopfschmerzmedikamente über einen Zeitraum von drei Monaten an mehr als 10 Tagen pro Monat eingenommen werden, besteht die Gefahr einen MÜK zu entwickeln. Der medikamenteninduzierte Kopfschmerz hat ähnliche Symptome wie der Spannungskopfschmerz und wird aus diesem Grund häufig nicht früh genug diagnostiziert.

Gerade an heißen Sommertagen ist Flüssigkeitsmangel eine häufige Ursache für Spannungskopfschmerzen, deshalb ist es wichtig täglich mindestens 2 Liter zu trinken.

Damit der Arzt eine individuelle effektive Behandlung finden kann, ist es elementar herauszufinden was die Spannungskopfschmerzen auslösen. Dazu führt der Betroffene in der Regel ein Kopfschmerztagebuch, als Hilfsmittel bei der Diagnose und zur Überwachung der Behandlung.