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Wissen ist das beste Beruhigungsmittel. Über das M-sense Blog.

Bücher über Migräne & Kopfschmerzen / Bild: Johannes Windolph für M-sense

Birgit Schmitz
Birgit Schmitz

Birgit Schmitz leitet den Hamburger Verlag Hoffmann & Kampe und ist Schriftstellerin. In ihrem Buch "Der Schmerz ist die Krankheit" schreibt sie über ihre chronischen Spannungskopfschmerzen.

Eine alte Geschichte über den Kopfschmerz

»So nötig der Kopf zum Leben ist, so äußerst qualvoll ist seine Erkrankung.« schrieb der griechische Arzt Aretaios von Kappadokien Ende des ersten Jahrhunderts. Er empfahl zur Behandlung von Kopfschmerzen den Aderlass, dann den Kopf zu rasieren und einen Schröpfkopf ansetzen, gefolgt von einer Nasenspülung, Herbeiführen von künstlichem Nasenbluten und einer vollständigen Darmentleerung. Abschließend noch das Abbrennen der restlichen Haare, durchaus bis auf den Knochen, dann tagelanges Versorgen der Wunde, bis man wieder die Aderlassstellen aufschneidet. Vom Aufbohren des Schädels sollte man seiner Meinung nach nur Gebrauch machen, wenn alles andere nicht hilft. Nach der Behandlung empfahl er dem Kranken viel Sport und einengewöhnungsbedürftigen Speiseplan, u. a. aus Schweinefüßen, aber ohne Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Zwiebeln und Süßes. Er warnte davor, sich zu verausgaben, weshalb auch Sex verboten war.

Auch wenn die zur Verfügung stehenden Mittel bescheiden waren, das Wissen eingeschränkt – im Prinzip entwarf Aretaios die erste multimodale Therapie gegen Migräne und Kopfschmerzen, die alle Lebensbereiche betrachtet und disziplinübergreifende Ansätze einschloss. Lange nicht mehr so barbarisch, aber im Grunde ganz ähnlich, versucht man auch heute verschiedene Zugänge bei der Behandlung von Kopfschmerzen zu kombinieren.

Denn Kopfschmerzen und Migräne sind so alt wie die Menschheit. Und genauso lange rätselt man darüber, wie es zu diesem Stechen im Kopf kommt. Schon in Überresten von Keilschrifttafeln oder im Gilgamesch-Epos gibt es erste Hinweise. Der berühmte griechische Arzt Galen sprach im 2. Jahrhundert zum ersten Mal von einer “Hemikranie”, wovon sich später unser Wort “Migräne” ableitete (was so viel bedeutet, dass nur eine Hälfte des Kopfes betroffen ist – was eines der entscheidenden Kriterien ist, um zwischen Migräne und Spannungskopfschmerz zu unterscheiden).

Ein neuer medizinischer Ansatz

Die Migräne-App M-Sense ist die erster ihrer Art, die Zusammenhänge und Auslöser aufspüren kann und damit den Betroffenen einen ganz neuen Zugang zu ihrer Krankheit ermöglicht. Durch M-sense können sie selbst aktiv werden und den Verlauf sowie die Einflüsse ihrer Schmerzen analysieren. So lassen sich Attacken vermeiden und Medikamente reduzieren. Die App bietet aber auch spezielle Therapiemethoden an – und kann herausfinden, welche für wen sinnvoll sind.

Mit dem in die App integrierten Arztreport werden alle Daten übersichtlich für den Arzt aufbereitet und dienen ihm als Behandlungsgrundlage.

Sharing is caring

Weil Expertise und Gemeinschaft zwei wichtige Dinge sind, wenn man es mit Schmerzen zu tun hat, haben wir von M-sense nun ein Blog gestartet, in dem wir und ihr unsere Expertise teilen können: von der aktuellsten Studie bis zur weiterführenden Link-Sammlung, von Erfahrungen, Rückschlägen und Hilfe soll hier erzählt werden. Doch vor allem möchten wir hier Wissen, Kompetenz und Verständnis vermitteln. Migräne und Spannungskopfschmerzen wurden lange genug als Krankheit nicht ernstgenommen. Solche Formen von Stigmatisierung sollten heutzutage der Vergangenheit angehören, leider tun sie es viel zu oft nicht.

Wir haben für unser Blog zwei sehr kompetente Menschen gewonnen, die Migräne und Spannungskopfschmerzen aus Betroffenen- und der Forscherperspektive betrachten.

Die Kopfschmerz-Betroffene und der Migräne-Forscher

Dr. rer. nat. Markus Dahlem
Dr. rer. nat. Markus Dahlem

Migräneforscher & M-sense Gründer Dr. rer. nat. Markus Dahlem

Dr. Markus Dahlem forscht seit mehr als 25 Jahren über die Entstehung der Migräne. Als Physiker interessiert ihn grundsätzlich, ob mathematische Berechnungen etwas zum Grundverständnis von Erkrankungen beitragen können. Können wir beispielsweise eine biologischen Uhr aufdecken, um Kopfschmerzattacken nicht nur vorherzusagen, sondern krankhafte Gehirnaktivität gleich im Keim zu ersticken – mit Biofeedback oder vielleicht sogar mittels elektromagnetischer Felder? Als Forscher hat er solche Fragen aufgegriffen und mit dieser „organischen Physik“ zu einem tieferen Verständnis der neurobiologischen Grundlagen der Migräne in vielen Fachpublikationen beigetragen und aufgezeigt, wie sich diese Erkenntnisse in neuartige Behandlungs- und Präventionsmöglichkeiten künftig umsetzen lassen.

Buchautorin Birgit Schmitz
Buchautorin Birgit Schmitz

Autorin & Schmerzpatientin Birgit Schmitz

Jenseits der Forschung und Ärzteschaft beschäftigen sich meisten anderen Menschen eher unfreiwillig mit Schmerz. Birgit Schmitz gehört dazu. Vor zehn Jahren erhielt sie die Diagnose chronischer Spannungskopfschmerz und litt viele Jahre täglich 12 Stunden darunter. Sie weiß also, wovon sie schreibt. Wie sie es letztlich doch geschafft hat, mit den Schmerzen zu leben und sie besser zu verstehen, hat sie in dem Buch "Der Schmerz ist die Krankheit" aufgeschrieben. Oft waren es einfache Fragen – z.B. wie wirken Schmerzmittel –, die am Anfang standen und wenn sie merkte, dass es häufig gar nicht so klare Antworten gab, weckte das nur noch mehr ihre Neugier. Gleichzeitig traf sie als Betroffene im Alltag auf Unverständnis, probierte Unsinniges aus und verlor sich im Labyrinth der Alternativen. Sie kennt die bleierne Verzweiflung, die häufig die Schmerzen begleitet und sie kennt die heitere Leichtigkeit, wenn er nachlässt.