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Kleiner Kopfschmerz, große Erkenntnis: der Eiscreme-Kopfschmerz

Birgit Schmitz
Birgit Schmitz

Birgit Schmitz leitet den Hamburger Verlag Hoffmann & Kampe und ist Schriftstellerin. In ihrem Buch "Der Schmerz ist die Krankheit" schreibt sie über ihre chronischen Spannungskopfschmerzen.

Der 23.7. ist Vanilleeis-Tag. Ich persönlich erlaube mir diesen Tag öfter zu begehen, weil ich Vanilleeis besonders in Form von Spaghetti liebe und mir als Belohnung oder Trost gönne (je nachdem, was besser passt). Für mich wäre es also besonders tragisch, wenn ich unter sogenanntem Eiscreme-Kopfschmerz auch bekannt als „brain freeze“ oder Kältekopfschmerz leiden würde. Dieser wiederum kann leicht Migräne-Attacken auslösen. Der Kopfschmerz mit dem schönen Namen ist ungefährlich, gehört aber zu den primären Kopfschmerzen und hat damit seine Berechtigung neben Spannungskopfschmerz, Cluster und Migräne. 

Die Migräne, der Krieg und die Eiskugel

Schon lange hatte man beobachtet, dass Kältekopfschmerz (in wissenschaftlichen Fachkreisen "sphenopalatine ganglioneuroralgie" genannt) verstärkt Migränepatienten betrifft. Aber auch Kriegsveteranen, die Bombenexplosionen und Hirntraumata erlebt hatten, klagten häufiger über „brain freeze“. Wie hing das zusammen? Das fragt der Laie, aber Wissenschaftler sind clever und nahmen den Eiscreme-Kopfschmerz als Gemeinsamkeit an und untersuchten unterschiedliche Betroffene. Und statt ewig im Labor rumzusitzen und zu warten, bis schließlich jemand eine Migräneattacke hat, kann man mit ein paar Kugeln Eis leicht und unter kontrollierten Bedingungen eine Attacke auslösen. Das perfekte Experiment.

Dabei fanden sie gleich auch noch mehr darüber hinaus, wann wir Kopfschmerzen haben und auch warum.

Schmerz als Schutzmechanismus

Im Labor schloss man also die Patienten an einen Doppler an, um Blutströme zu beobachten. Mit Eiswasser wurden dann die Attacken ausgelöst. Dabei zeigte sich, dass die vordere Hirnarterie schnell anschwillt und den Schmerz auslöst und sich danach wieder zusammenzieht.

Die Forscher gehen davon aus, dass es sich dabei um einen Schutzmechanismus des Gehirns handelt. Das heißt: Aufgrund der Kälte im Mund vermutet das Gehirn einen Temperatursturz und versucht das Gehirn mit erhöhtem Blutfluss warm zuhalten und Schäden abzuwehren. Aber weil das Gehirn zum Schutz auch mit einer starren Hirnhaut umgeben ist, führt das dazu, dass der Druck ansteigt, und wir einen doppelseitigen Schmerz erfahren. Dieser Mechanismus ist auch bei Migräne und anderen Kopfschmerzarten zu beobachten und mit dieser Erkenntnis hofft man, bessere und wirksamere Medikamenten zu entwickeln.

Schön wäre es, wenn man Vanilleeis-Kopfschmerzen mit Erdbeersoße und Nüssen behandeln könnte, leider hilft bisher nur der Verzicht auf Kaltes.