Kopfschmerzen & Periode

Menstruelle Migräne ist unterdiagnostiziert und untertherapiert - obwohl wirksame Therapien mittlerweise erprobt und verfügbar sind.

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Stefka Lysk

Stefka ist studierte Psychologin. Sie behandelt Patienten ambulant psychotherapeutisch und hat einen Lehrauftrag für Entspannungsverfahren und Arzt-Patienten-Kommunikation an der Charité.

Die meisten Frauen kennen es wahrscheinlich: das gleichzeitige Auftreten von Kopfschmerzen & Periode. Besonders Migräne tritt häufig vor, während oder nach der Menstruation auf. Daher wird sie auch menstruelle Migräne genannt. Unterschieden werden zwei unterschiedliche Formen:

  1. die rein menstruelle Migräne, bei welcher die Attacken ausschließlich zwei Tage vor oder während der Periode auftreten
  2. die menstruationsassoziierte Migräne: Attacken treten in der Mehrheit der Zyklen während der Blutung auf, zusätzlich aber auch zu anderen Zeitpunkten des Zyklus (z.B. um die Zeit des Eisprungs)
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Menstruelle Migräne: unterdiagnostiziert und untertherapiert

Studien zeigen, dass circa die Hälfte aller Menstruierenden regelmäßig während der Monatsblutung unter Spannungskopfschmerzen oder Migräneattacken leiden (Couturier et al. 2003). Bei ungefähr 60% der Migräniker:innen treten laut einer großen Studie die Attacken gehäuft rund um die Monatsblutung auf (Pavlović et al. 2015).

Trotzdem ist die menstruelle Migräne eine deutlich unterdiagnostizierte Erkrankungsform. Oft vergehen viele Jahre bis die behandelnden Ärzt:innen den Zusammenhang zwischen dem Menstruationszyklus und den Migräneattacken erkennen. Problematisch daran ist, dass die richtige Diagnose auch die Voraussetzung für eine adäquate Behandlung darstellt.

Darum erleiden Frauen mit menstrueller Migräne oft unnötigerweise jahrelang schwere Attacken, obwohl wirksame Therapien mittlerweile erprobt und verfügbar sind. Damit reiht sich die menstruelle Migräne in die Riege unterdiagnostizierter und wenig bekannter zyklus-assoziierter Erkrankungen, wie Endometriose oder polyzystisches Ovar-Syndrom (PCOS), ein (Mechsner 2016).

Länger, schwerer und schlechter zu behandeln: die menstruelle Migräne

Menstruelle Migräne-Attacken unterscheiden sich in der Symptomatik nicht grundlegend von Attacken außerhalb des “Menstruationsfensters”. Allerdings verlaufen die menstruellen Attacken meist schwerer, sind häufiger von Übelkeit und Erbrechen begleitet und dauern länger an (nicht selten 2-3 Tage). Außerdem sprechen sie schlechter auf eine medikamentöse Akutbehandlung an. So kommt es z.B. nach der Einnahme von Triptanen meist zu einem sogenannten Wiederkehrkopfschmerz.

Studien zeigen auch zunehmend den hohen Leidensdruck und die starken Einschränkungen der betroffenen Frauen im Alltag, bei der Kinderbetreuung und im Berufsleben hin. Dabei scheinen prämenstruelle Attacken, welche 1-2 Tage vor Beginn der Menstruation auftreten, am schwersten zu verlaufen (Vetvik 2015).

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Kopfschmerzen & Periode: Ursachen der menstruellen Migräne

Die Menstruation ist der meistverbreitete Trigger von Migräneattacken bei Menstruierenden. Grund dafür scheint der prämenstruelle Abfall, und somit die starke Veränderung des Östrogenspiegels zu sein. Dabei ist nicht der absolute Wert des Östrogenspiegels von Bedeutung, sondern die Höhe der hormonellen Veränderung.

Zum Beispiel zeigt sich während der Schwangerschaft eine deutliche Verbesserung der Migräneerkrankung ab dem vierten Monat. Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Östrogenspiegel eingependelt. Allerdings kommt es wiederum im Wochenbett, nach dem postnatalen Abfall des Östrogenspiegels, zu einer erhöhten Attackenwahrscheinlichkeit.

Für viele ein Grund zu Hoffnung: Nach der Menopause pendelt sich der Östrogenspiegel auf einem neuen, niedrigen Niveau ein und die Attacken verschwinden nicht selten ganz (Calhoun 2018).

Kopfschmerzen & Periode: Therapie von menstrueller Migräne

Vermutest du einen Zusammenhang zwischen deinem Zyklus und deinen Attacken, solltest du über mehrere Monate hinweg täglich einen Kopfschmerz- und Zykluskalender führen. Natürlich solltest du einen Termin bei deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt vereinbaren, um mit ihnen die Möglichkeiten der medikamentösen Akutbehandlung oder Prophylaxe zu sprechen.

Während der Attacken helfen neben den schmerzlindernden Medikamenten auch Ruhe und Entspannungsübungen. Das Gute daran: die Übungen wirken auch gegen Periodenschmerzen!

In der Prophylaxe gibt es neben diversen Migräneprophylaxe-Medikamenten auch viele natürliche Maßnahmen ganz ohne Nebenwirkungen & Risiken wie z.B. eine niedrig-glykämische Ernährung. Wusstest du, dass eine Ernährung, die deinen Blutzucker eher niedrig-stabil hält eine wirksame Migräneprophylaxe sein kann (Bongiovanni et al. 2021, Evcili et al. 2018, Razeghi et al. 2019)? Und dass starke Blutzuckerschwankungen tatsächlich Migräneattacken begünstigen (Siva et al. 2018, Yilmaz et al. 2011, Bernecker et al. 2011, Gruber et al. 2010)?

Die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea-Migräneprophylaxe ermittelt für dich, welche Lebensmittel deinen Blutzucker eher niedrig-stabil halten. Mit der Umsetzung der individuell auf dich angepassten Ernährungsempfehlungen hast du die Möglichkeit Migräneattacken zu reduzieren. Das Gute ist: Ein stabiler Blutzucker hilft dir nicht nur in der Vorbeugung von Migräneanfällen sondern ist auch allgemein gesundheitsfördernd.

Du kannst dir die App auf Rezept sinCephalea von Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen verschreiben lassen. Deine Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Migräne-App.

FAQ

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen der Menstruation und Migräne?

Ungefähr die Hälfte der von Migräne betroffenen Frauen berichten, dass ihre Migräne-Attacken mit der Menstruation zusammenfallen. Bei der Diagnose werden zwei Formen unterschieden: 5 bis 10% haben eine reine menstruelle Migräne, bei der Attacken ausschließlich ein bis zwei Tage vor oder nach der Menstruation auftreten und das in mindestens zwei von drei Menstruationszyklen. Bei der sogenannten menstruationsassoziierten Migräne treten Attacken dagegen zwar gehäuft ein bis zwei Tage um die Menstruation auf, doch ebenso zusätzlich zu beliebigen anderen Zykluszeiten. Seit über 40 Jahren steht die  Vermutung, dass ein Absinken des Östrogenspiegels Migräne-Attacken auslöst. Neueste Studien scheinen das noch einmal zu belegen. Trotzdem bleiben die genauen physiologischen Zusammenhänge bis heute ungeklärt. Man nimmt an, dass zyklusabhängige hormonelle Schwankungen generell eine körperliche Belastung sind.

Quellen

Bernecker C. et al. (2011): Oxidative stress is associated with migraine and migraine-related metabolic risk in females. In: European Journal of Neurology, 18(10), S.1233-9.

Bongiovanni, D. et al. (2021): Effectiveness of Ketogenic Diet in Treatment of Patients with Refractory Chronic Migraine. In: Neurol Sci, doi:10.1007/s10072-021-05078-5.

Calhoun (2018): Understanding Menstrual Migraine. In: Headache currents. American Headache Society. 

Couturier, E. et al. (2003): Menstrual migraine in a representative Dutch population sample: prevalence, disability and treatment. In: Cephalalgia, 23, 302-308.

Evcili, G. et al. (2018): Early and long period follow-up results of low glycemic index diet for migraine prophylaxis. In: Agri.30(1), S. 8-11. doi: 10.5505/agri.2017.62443.

Gruber, H.-J. et al. (2010): Hyperinsulinaemia in Migraineurs Is Associated with Nitric Oxide Stress. In: Cephalalgia30 (5), S. 593–98. https://doi.org/10.1111/j.1468-2982.2009.02012.x.

Pavlović, J. M., et al. (2015): Burden of migraine related to menses: Results from the AMPP study. In: Journal of Headache and Pain, 16(1),  https://doi.org/10.1186/s10194-015-0503-y

Mechsner (2016): Endometriose. Eine oft verkannte Schmerzerkrankung. In: Der Schmerz

Razeghi J. S. et al. (2019): Association of diet and headache. In: Journal of Headache and Pain, 20(1), S. 106. doi:10.1186/s10194-019-1057-1.

Siva, Z.O. et al. (2018): Determinants of Glucose Metabolism and the Role of NPY in the Progression of Insulin Resistance in Chronic Migraine. In: Cephalalgia38 (11), S. 1773–81. https://doi.org/10.1177/0333102417748928.

Vetvik, K. (2015): Menstrual versus non-menstrual attacks of migraine without aura in women with and without menstrual migraine. In: Cephalalgia

Yilmaz, N. et al. (2011): Impaired Oxidative Balance and Association of Blood Glucose, Insulin and HOMA-IR Index in Migraine. In: Biochem. Med., 21, S. 145–151.