Durch die Nutzung unserer Website erklärst du dich ausdrücklich mit dem Einsatz von Cookies und der Verwendung deiner persönlichen Daten zum Zweck der Verbesserung unseres Internetangebots einverstanden. Diese Einwilligung umfasst auch den Einsatz von Dienstleistern durch uns, sowie die Weitergabe deiner Daten zu diesem Zweck. Nähere Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung. .

Ich stimme zu

5 Fragen zu deiner Migräne: Fabienne

Portrait von Fabienne / Bild: Christine Fuhrmann

Fabienne Borutta
Fabienne Borutta

Fabienne hat nach der Ausbildung zur Mediengestalterin Promotional Media in England studiert. Nachdem ihr die Migräne beinahe die Abschlussfeier des Studiums verwehrt hat, startete sie als Marketing-Praktikantin bei M-sense. Nun kümmert sie sich unter anderem um Support & Social Media und bereitet sich auf ihren berufsbegleitenden Master in Marketing & Communication vor.

Wer unter Migräne oder Spannungskopfschmerzen leidet, wird oft selbst zum Experten. Deshalb stellen wir monatlich einer M-sense Nutzerin oder einem Nutzer 5 Fragen. 

Hier erzählt uns Fabienne ihre Geschichte. Wenn du auch mal 5 Fragen zu deiner Migräne oder deinen Kopfschmerzen beantworten willst, schreibe einen Kommentar oder schicke uns eine E-Mail an kontakt@m-sense.de.


Name: Fabienne  
Tätigkeit: Mitarbeiter im Marketing
Kopfschmerzart: Migräne mit Aura (noch undiagnostiziert)
Häufigkeit der Attacken: Seit April 2017 erst 3 Migräne-Attacken, einmal eine Aura ohne folgende Schmerzen


Wann hattest du deine erste Migräneattacke und wie hat sie sich angefühlt?

Meine erste Migräne erlebte ich im April 2017, einen Tag vor meiner Graduation in England. Da ich kurze Zeit vorher stark erkältet war, mich aber nicht geschont habe, hatte ich bei dieser völlig neuen und enormen Art von Schmerzen zunächst Angst, dass ich die Erkältung verschleppt und im schlimmsten Fall sogar eine Hirnhautentzündung haben könnte. 

An diesem Abend sollte meine Mutter in England ankommen, mit ihr habe ich viel kommuniziert, weil ich tatsächlich noch nie im Leben so starke Schmerzen und sogar ernsthaft Angst hatte. Sie ist selbst von Migräne betroffen und sagte direkt, dass sich das alles doch eher nach Migräne anhört und ich erst mal keine Panik haben soll. 

Die Schmerzen fingen vormittags an und waren so stark, dass ich mich auf den Boden kniete, mit dem Gesicht auf dem Bett lag und meinen Kopf mit beiden Händen hielt. Geweint habe ich – to be honest – auch. 

Meine damalige Mitbewohnerin brauchte für ihre Abschlussveranstaltung noch Schuhe, also sind wir zusammen in die Stadt gegangen. Dabei verstärkte jeder Schritt die Schmerzen sehr. Im Nachhinein fällt mir auf, dass ich damals ganz intuitiv meine Sonnenbrille aufgesetzt habe – es war an diesem Tag tatsächlich sonnig, aber normalerweise trage ich so gut wie nie eine Sonnenbrille. Ich hatte aber irgendwie das Gefühl, es könnte vielleicht helfen. Außerdem hatte ich leichte Magenbeschwerden. Die Schmerzen hielten noch bis zum frühen Abend an, bis meine Mutter schließlich in England ankam. Zu Beginn der Schmerzen hatte ich zwei Paracetamol 600 genommen, die natürlich nicht geholfen haben.

Wie würdest du deine Migräne-Aura beschreiben?

Kurze Zeit nach meiner allerersten Migräne-Attacke folgte ein Tag, an dem ich meine erste Aura bekam. Damals saß ich vor dem Rechner und schrieb gerade – wie es der Zufall so will – meine Bewerbung für M-sense, als ich auf einmal einen blinden, leicht beweglichen Fleck in meinem Sichtfeld bemerkt habe. Auch die Buchstaben wirkten etwas verschwommen. Ich dachte zuerst, ich hätte einfach zu viel Zeit vor dem Bildschirm verbracht.

Als ich diesen blinden Fleck dann aber permanent hatte, auch wenn ich mich in meinem Zimmer umgeschaut habe, und dieser Fleck waberte und leicht zackig und bunt war, wenn ich die Augen schloss, fand ich das dann doch etwas suspekt. Wenn ich die Augen offen hatte machte sich die Aura durch einen blinden Fleck in meinem rechten Sichtfeld bemerkbar. Der Fleck formte sich mit der Zeit zu einer Sichel, einem gezackten Halbmond, der waberte und blaue, grüne, gelbe und rote Farbflecken enthielt wenn ich die Augen schloss. Die wabernde Sichel wurde stetig größer und wanderte immer weiter nach außen, bis sie schließlich verschwand. Dort wo sich diese Sichel befand, war meine Umgebung verschwommen und es bewegte sich in diesem Umfeld alles leicht. Die Aura dauerte ca. 10 - 15 Minuten und es folgte keine Migräne-Attacke.


Wie wichtig ist dir der Austausch mit anderen Betroffenen für dich?

Da bei mir offiziell noch keine Migräne diagnostiziert wurde, ist es für mich wahnsinnig interessant und auch durchaus hilfreich zu lesen, was Migräne-Betroffene berichten. Durch meine Arbeit bei M-sense habe ich auch viele Einsichten zu der Krankheit bekommen und kenne mich schon etwas besser aus als zu Beginn, aber es ist immer etwas anderes, die Erfahrungen von anderen Betroffenen zu lesen – gerade weil Migräne so hochgradig individuell ist. Vielleicht bleibt es auch nur bei den drei Migräne-Attacken, die ich bisher hatte – wer weiß. 

Am besten finde ich jedoch die Migräne-Tweets auf Twitter, da ich auf die gleiche Art und Weise mit Ereignissen umgehe, die an sich nichts wirklich Positives aufweisen: Sarkasmus und Humor. Außerdem verstehe ich, basierend auf eigenen Erfahrungen, manche Tweets nur zu gut und finde diese dann umso lustiger. Migräniker bilden eben eine ganz eigene, spezielle Community unter sich.


Kannst du deiner Migräne auch etwas Positives abgewinnen?

Da ich mich noch auf dem Weg zu einer Diagnose befinde, bin ich gezwungen nun erst einmal alles zu dokumentieren: Kopfschmerzen und auch alles in Bezug auf meinen Lebensstil. Durch das Angeben der einzelnen Werte zu den Faktoren fallen mir immer mal wieder Dinge auf, die ich vorher nie bemerkt hätte. Beispielsweise reflektiere ich tägliche Geschehnisse viel genauer und kann besser einschätzen, welche Umstände zum Beispiel zu einem stressigen Tag geführt haben.


Wie gehst du mit dem Gedanken um, dass Migräne diagnostiziert werden könnte und noch weitere Attacken folgen?

Am schlimmsten war für mich in beiden Situationen – der ersten Migräne-Attacke und der ersten Aura – unterm Strich die Ungewissheit, die mir überhaupt erst die Sorgen bereitet hat.

Außerdem weiß ich, dass ich im Gegensatz zu anderen Betroffenen unglaublich wenige Attacken habe. Die Zeit, die man an einer Attacke leidet, ist absolut widerlich, aber ich weiß, dass es irgendwann nach nicht allzu langer Zeit vorbei sein wird. Demnach verstehe ich, dass Migräne bei chronisch Erkrankten eine sehr große Auswirkung auf ihr Leben haben kann und bin sehr dankbar, dass ich nicht zu diesen Betroffenen gehöre. Jedoch glaube ich, dass man durchaus etwas gegen die Schmerzen und die Krankheit unternehmen kann und auch sollte, da nichts im Leben absolut hoffnungslos ist, nur unterschiedlich schwierig oder kompliziert.