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5 Fragen zu deiner Migräne: Tanja

Johannes Windolph
Johannes Windolph

Johannes ist Fotograf, visueller Denker und Teil des Marketing-Teams bei M-sense. Selbst von Migräne betroffen, sucht er abseits gängiger Klischees nach neuen Perspektiven und spannende Geschichten rund um den Kopfschmerz.

Wer unter Migräne oder Spannungskopfschmerzen leidet, wird meistens selbst zum Experten dafür. Deshalb stellen wir jeden Monat eine M-sense Nutzerin oder einen Nutzer vor und stellen jeweils fünf Fragen. 

Hier erzählt uns Tanja von ihrer Migräne. Wenn du auch mal 5 Fragen zu deiner Migräne oder deinen Kopfschmerzen beantworten willst, schreibe einen Kommentar oder schicke uns eine Mail an kontakt@m-sense.de.


Name: Tanja
Tätigkeit: Lehrerin
Kopfschmerzart: Migräne mit Aura
Häufigkeit der Attacken: ca. 8 pro Monat



Wie wirkt sich deine Migräne auf deinen Alltag aus?

Bevor die Migräne diagnostiziert wurde, waren die Kopfschmerzen und das Ausgeknocktsein allgegenwärtig. Es kam sehr oft vor, dass ich nicht am Alltag teilnehmen konnte, sowohl Studium als auch Freizeit. Lange (ca. vier Jahre) kam es mir nicht in den Sinn, deshalb den Arzt aufzusuchen. Warum auch… Wegen Kopfschmerzen?!? Ja, das war nicht die beste Idee, wie ich heute weiß. Ich hätte mir jahrelang Schmerz, Rückzug und all das ersparen können…

Nach einem Umzug bekam ich einen neuen Hausarzt. Diesen sprach ich auf meine heftigen einseitigen Kopfschmerzattacken an. Zum Glück! Vor ca. neun Jahren bekam ich nun endlich eine Diagnose: Migräne - und dann auch ein bei mir oft wirksames Medikament: Sumatriptan.

In den ersten Jahren half das Triptan mir sehr gut. Ich konnte trotz der Migräne arbeiten gehen und auch die Freizeit genießen. Die Attacken hatte ich relativ gut im Griff, so dass ich auf 4 - 5 Fehltage im Jahr bei der Arbeit kam.

Vor drei Jahren stieg die Zahl der Schmerztage stark an. Da waren es dann ca. 16 oder auch mal über 20 Schmerztage im Monat. Und endlich kam ein weiterer Schritt in der Migräne-Behandlung dazu: Besuch bei der Neurologin und der Einsatz einer Migräne-Prophylaxe (Topiramat).

Seither habe ich weniger Attacken, das Sumatriptan wirkt bei der rechtsseitigen Migräne sehr zuverlässig und ich habe viel weniger Fehltage bei der Arbeit (nur noch 2 - 3 im Jahr). Bei der linksseitigen Migräne wirkt das Sumatriptan leider gar nicht. Diese ist wesentlich stärker als die rechtsseitige und dauert meistens 2 - 3 Tage; hier hilft wirklich nur Liegen und absolute Ruhe. Glücklicherweise macht diese Form der Migräne bei mir nur ungefähr 5% der gesamten Migräneattacken aus.

Mein Mann hielt und hält mir jederzeit den Rücken frei. Er kümmert sich um alles, was zu tun ist. Wenn es mir ganz schlecht geht, übernimmt er auch die Krankmeldung bei der Arbeit. Ich bin sehr dankbar hierfür. Das erleichtert Vieles! Ich weiß nicht, wie ich sonst alles – vor allem während der sehr häufigen Attacken – unter einen Hut bekommen sollte.

Meine Chefin leidet selbst an Migräne. Wir tauschen uns über neue Erkenntnisse, und Behandlungsmethoden aus. Ich bin froh, dass ich hier verstanden werde. Im Kollegium selbst gibt es verschiedene – nennen wir es mal „Ideen“ zur Migräne. Bei manchen Kollegen ist der „Kopfschmerz“ einfach nur ein guter Grund, um zuhause zu bleiben. Das lassen sie einen wissen. Da stehe ich drüber. Es gibt aber auch Kollegen, die Verständnis äußern oder sogar selbst betroffen sind.

Was ist der blödeste Kommentar, den du bisher bekommen hast?

»Ich hab auch manchmal ein bisschen Kopfschmerzen.«

Das kann nur jemand sagen, der glücklicherweise selbst keine Migräneattacken kennt. In einer beginnenden Attacke fühlt sich diese Aussage einer anderen Person an wie purer Hohn – wenn man weiß, wie sich gleich die pulsierenden Schmerzen in die Stirn bohren werden, die Übelkeit kommt und alle Geräusche und das Licht nur noch schmerzen werden.

Was hilft bei dir, damit die Schmerzen verschwinden?

Bei einer rechtsseitigen Migräne: Einnahme einer Sumatriptan (dauert ca. 45-60 Minuten, dann ist im Normalfall wieder eine Teilnahme am Alltag möglich).

Bei einer linksseitigen Migräne: Ruhe, Liegen im Bett (dauert ca. 2 -3 Tage; Teilnahme am Alltag ist normalerweise am ersten und zweiten Tag überhaupt nicht möglich. Bisher wurde noch kein Medikament gefunden, welches Linderung verschafft).

Alle bisher ausprobierten Möglichkeiten (Koffein, Bewegung, Tigerbalsam…) halfen leider nicht wirklich. Manchmal hilft es mir, an manche Punkte an der Stirn oder am Nacken zu drücken. Aber das ist immer nur eine kurzfristige Lösung.

Wann hattest du deine erste Migräneattacke und wie hat sich das angefühlt?

Während dem Studium begann es, dass ich oft "Kopfschmerzen" hatte. Dass es mehr als ein normaler Kopfschmerz war, wurde mir bewusst, als ich einmal das Bedürfnis hatte, mich gänzlich ins Dunkle zurückzuziehen und meine pulsierende Stirn fest in ein Kissen zu drücken. Ich wollte einen ganz festen Druck auf meiner schmerzenden Stirn spüren, etwas, was meinen Schmerz wegdrückt. Aber der Schmerz ging nicht weg. Er blieb für viele Stunden. Die eingenommene Kopfschmerztablette half nicht. Eine weitere auch nicht und es kam auch noch Übelkeit dazu.

Ich war sehr überrascht, da ich so starke Schmerzen davor eigentlich nicht kannte. Auch, dass man von jetzt auf gleich so dermaßen ausgeknockt sein konnte. Einmal hatte ich dann Sehstörungen. Mein Mann brachte mich akut zum Hausarzt, der mich direkt zum Neurologen schickte. Die anschließenden sehr starken Kopfschmerzen verursachten dort direkt die Panik, ich könnte an einem Hirntumor erkrankt sein, eine Hirnblutung oder ähnliches haben. Es wurden diverse Untersuchungen (z.B. Computertomographie) veranlasst, aber auf die Idee, dass ich "einfach" eine Migräne mit Aura haben könnte, kam damals niemand. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass es sicherlich genau das war.

Auch heute überrascht mich noch, wie mein Körper schon Stunden vor einer eigentlichen Attacke reagiert. Ich spüre manchmal "Merkwürdigkeiten" beim Essverhalten. Ich habe plötzlich Hunger auf Dinge, die ich eigentlich unter normalen Bedingungen gar nicht so richtig mag (z.B. Gorgonzola) und die in der Attacke absolute Übelkeit beim alleinigen Riechen verursachen würden. Manchmal merke ich es aber auch gar nicht, dass ich merkwürdige Lebensmittel eingekauft habe. Mein Mann erkennt häufig schon an meinem Einkauf, ob eine Attacke bevorstehen könnte. Leider habe ich noch keinen Weg gefunden, an diesem Punkt einen Weg zu finden, um der Attacke zu entgehen. Oft vergehen ab diesen "Merkwürdigkeiten" auch noch Stunden, bis es soweit ist und bis dann die eigentliche Attacke kommt.

Migräne-Aura
So sieht Tanja die Welt, wenn sie eine Migräne-Aura hat

Hast du einen Tipp, den du anderen Betroffenen mitteilen willst?

Die Migräne akzeptieren! Das klingt vielleicht zunächst verwunderlich. Aber ich sehe meine persönliche Migräne nicht mehr als Feind, wie ich es eine Zeit lang getan habe. Sie ist eben da. Selbstverständlich möchte ich so wenige Attacken wie möglich haben und diese so gut wie es geht überstehen. Aber dieses "Feindbild Migräne" macht es für mich nicht besser. Wenn sie da ist, dann ist sie es eben. Ich akzeptiere es, habe den Schmerz, ärgere mich aber nicht darüber. Ich weiß, sie geht dann auch irgendwann wieder. Das weiß ich für mich. Ob diese Sichtweise auch anderen Menschen helfen würde, kann ich nicht einschätzen. Sich über Dinge zu ärgern, die man akut nicht ändern kann, zerfrisst einen. Das ist meine Lebenserfahrung und Einstellung.

Weitere Tipps sind:

  • Unbedingt Tagebuch führen! Vor allem auch die Medikamenten-Einnahmen dokumentieren: Ich war überrascht, wie häufig ich wirklich zum Triptan greife, bzw. früher gegriffen habe.
  • Ich würde auch nicht mehr so lange zögern, bis ich einen Neurologen aufsuchen würde. Das lange eigene Herumdoktern mit diversen Mittelchen hat mich nicht weitergebracht. Es hat nur unheimlich viel Energie abgezogen, die ich für andere Dinge nutzen hätte können.