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Kaffee und Migräne – Auslöser oder Schmerzmittel? Das Geheimnis von C8H10N4O2

Löst Kaffee Migräne aus oder hilft schützt es uns vor Attacken? / Bild: Annie Spratt via Unsplash

Dr. rer. nat. Markus A. Dahlem
Dr. rer. nat. Markus A. Dahlem

Dr. Markus Dahlem forscht seit mehr als 25 Jahren über die Entstehung der Migräne. Als Physiker interessiert ihn grundsätzlich, ob mathematische Berechnungen etwas zum Grundverständnis von Erkrankungen beitragen können. 

Koffein werden positive Effekte gegen Kopfschmerzen nachgesagt – sowohl bei Migräne als auch bei Spannungskopfschmerzen. Es gibt sogar Medikamente, die eine Kombination aus Schmerzmitteln und Koffein enthalten. Doch wieviel Kaffee ist ist gut für uns und welchen Einfluss hat er auf Migräne?

Positive und negative Auswirkungen von Kaffee auf den Kopfschmerz

Kaffee vertreibt die Müdigkeit, steigert die Konzentration und verbessert sogar – wie neuere Untersuchungen zeigen – das Langzeitgedächtnis. Denn nehmen wir Koffein zu uns, schlägt das Herz kräftiger und schneller, Darm und Stoffwechsel werden angeregt, die Bronchien werden erweitert und die Blutgefäße im Gehirn verengen sich.

Die Nebenwirkungen von zu viel Kaffee kennt man: Der doppelte Espresso nach dem Abendessen lässt uns oft schlecht einschlafen, Nervosität und auch mal Kopfschmerzen können die Folge sein. Doch auch zu wenig Koffein kann Folgen haben. Wer schlagartig auf die gewohnte Dosis Koffein verzichtet, spürt manchmal kurz Entzugserscheinungen wie Übelkeit, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit oder eben auch Kopfschmerzen.

Gerade Migräne-Betroffene kennen das. Treten Migräne-Attacken am Wochenende auf – und das tun sie überdurchschnittlich häufig – stellt sich nämlich eine interessante Frage:

  • Wie verändert sich eigentlich in dieser Zeit der Koffein-Konsum?

  • Fallen die drei Tassen bei der Arbeit weg und der Kopfschmerz entsteht aufgrund des Entzugs?

  • Oder ist es der sogenannte “Let-Down Effect”, der Rückgang des Stress-Levels, der die Migräne verursachte?

  • Oder eine Kombination aus beidem?

Self Fulfilling Prophecies

Oft stellen Betroffene aber auch falsche Zusammenhänge her, sogenannte Bestätigungsfehler, indem sie z.B. den täglichen Kaffee als schützenden Faktor interpretieren und dann den Entzug als Auslöser immer so ermitteln, dass sich ihre eigene, längst gefällte Erwartung erfüllt.

Wird der Kaffee mal reduziert, ohne dass es zu Kopfschmerzen kommt, wird das meistens übersehen. Wird aber der Kaffee reduziert und eine Migräne setzt rein zufällig ein, stellt man sofort einen vermeintlichen Zusammenhang her. Das heißt, anfangs gibt es diesen Zusammenhang gar nicht. Doch mit der Zeit wird der Zusammenhang quasi erlernt.

Kaffee-Entzug oder andere Auslöser können wie die Glocke bei Pawlows Hunden wirken – ein Phänomen, das unter den Placebo-Effekt fällt und lange anhält: Die Tasse Kaffee (oder deren Fehlen) wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung im Sinne einer klassischen Konditionierung. Experten zählen die eigene Erwartungshaltung zu den wichtigsten Migräne-Auslösern. Diese Konditionierung funktioniert noch besser mit einem sogenannten “novel-tasting drink” (originell schmeckenden Getränk) – z.B. aromatisierte Kaffees.

Es ist gar nicht so leicht, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, objektiv zu testen, ob man echte Migräne-Attacken auch als indirekte Entzugserscheinung interpretieren kann. Das gilt übrigens auch für andere potentielle Einflussfaktoren.

Gesichert scheint nur, dass ein konstanter Kaffee-Konsum zu bevorzugen ist. Wer in der Woche seine zwei bis drei Tassen über den Tag verteilt zu sich nimmt, sollte auch am Wochenende nicht auf die tägliche Dosis verzichten.

Wissenswertes zum Koffeingehalt

Der Koffeingehalt variiert bei Kaffee je nach Zubereitung und Kaffeesorte. Eine Tasse gebrühter Bohnenkaffee enthält ca. 80 mg Koffein, ein Espresso etwas weniger, vielleicht 50 oder 60 mg Koffein. Ein stark zubereiteter Tee kann dieselbe Menge Koffein wie Espresso oder auch Kaffee enthalten. Bei anderen Getränken sind oft gar keine Informationen über die Menge zu finden. Der Koffeingehalt muss leider erst ab einer Konzentration von 15 mg pro 100 ml ausgewiesen werden. Koffein ist unter anderem auch in Cola, Mate, Guaraná und Energy-Drinks.

Auch einige Schmerzmittel setzen auf die Wirkung des Koffeins. So wird Wirkstoffen wie Acetylsalicysäure (ASS) oder Paracetamol Koffein beigegeben, und damit deren Wirksamkeit erhöht.

Die Wirkweise von Koffein

Die Antwort auf die Frage nach der Wirkung von Koffein findet man tief im Synapsenspalt – dort treffen Nervenzellen zusammen und kommunizieren über Botenstoffe.

Koffein besetzt hier die Rezeptoren, die normalerweise den Botenstoff Adenosin aufnehmen, dessen Funktion es eigentlich ist, zu verhindern, dass sich unser Gehirn überanstrengt. Sind die Adenosin-Rezeptoren blockiert, kommt es darüber hinaus zur Freisetzung von herrlich anregenden Stoffen wie Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin.

Und es kommt noch besser: Adenosin wirkt normalerweise auch an den Nervenendungen auf jene Rezeptoren ein, die für eine höhere Schmerzempfindlichkeit sorgen. Werden diese jedoch von Koffein besetzt, hat das eine positive, weil schmerzlindernde Wirkung.