Migräne vorbeugen

Neben Medikamenten gibt es auch diverse natürliche Hausmittel, Methoden und verhaltenstherapeutische Maßnahmen um Migräne-Attacken vorzubeugen.

Foto des Autors

Miriam Jansen

Miriam musste wegen chronischer Migräne ihren Beruf aufgeben - und wurde in dieser Zeit zur Migräne-Expertin. Die Migräne hat ihr zu einem radikalen Lebenswandel verholfen: Sie lebt nun als digitale Nomadin in ihrem Bus und arbeitet als Texterin & im Sommer als Schäferin auf einer Alp.

Migräne gehört nach wie vor zu den am stärksten einschränkenden Erkrankungen weltweit. Betroffene sollten daher neben wirksamen Behandlungsmethoden eines akuten Anfalls auch über gute prophylaktische Behandlungsmöglichkeiten Bescheid wissen.

Wie kann man Migräneanfällen vorbeugen?

Neben diversen Prophylaxe-Medikamenten gibt es auch sehr viele natürliche Verfahren und Hausmittel, die wirksam sind und helfen können. Da es für einige Betroffene extrem wichtig ist, dass Verfahren getestet und deren Wirksamkeit durch Studien bestätigt worden ist, habe ich den Artikel wie folgt aufgeteilt:

1. Natürliche Methoden zur Migräneprophylaxe, deren Wirksamkeit durch Studien nachgewiesen wurde

2. Weitere natürliche Hausmittel & Methoden zur Migräneprophylaxe

Maßnahmen der ersteren Kategorie sind größtenteils den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)2 entnommen. Die weiteren Tipps und Tricks sind gesammelte Vorschläge, die von Migräne-Betroffenen allgemein und Leser:innen des „Migraine world summit“ stammen3.

Kann ein Heilmittel auch wirken, obwohl die Wirksamkeit noch gar nicht in Studien belegt wurde?

Natürlich! Nur weil etwas noch nicht untersucht worden ist, heißt es nicht, dass es nicht auch helfen kann. Ein gutes Beispiel dafür ist das aktuell so gehypte CBD-Öl (Cannabidiol-Öl). Jahrelang gab es aufgrund des illegalen Status gar keine Studien zur Wirksamkeit von Cannabis – und jetzt wo es weltweit immer mehr Staaten gibt, die es legalisieren – und wo es vor allem äußerst erfolgreich in der Schmerz- und Krebsbekämpfung eingesetzt wird, häufen sich auch die Studien dazu1. Und die sind bisher sogar sehr positiv. Auch ich probiere das Öl seit einiger Zeit aus. Wie es sich aktuell auf meine Migräne auswirkt, beschreibe ich weiter unten.

Natürliche Methoden zur Migräneprophylaxe, deren Wirksamkeit durch Studien nachgewiesen wurde

Regelmäßiger Ausdauersport

Dreimal wöchentlich 40 Minuten Ausdauersport ist laut einer Studie an der schwedischen Universität zu Götheburg2 genauso wirksam wie das prophylaktische Medikament Topiramat. Vor allem Ausdauersport im gemäßigten Tempo, wie z.B. ein effizientes Lauftraining, Nordic Walking oder Schwimmen ist geeignet. Doch viele chronische Migräne-Betroffene sind jedoch gar nicht in der Lage das zu leisten weil sie so viele Schmerztage haben, dass sie gar nicht dreimal die Woche fit genug sind um Sport zu treiben – oder weil Sport leider auch ein Auslöser von Migräne sein kann.

Bei mir funktionierten zum Beispiel lange Zeit nur „leichte“ Sportarten wie spazieren gehen, wandern, schwimmen und Fahrrad fahren. Alles andere, auch beispielsweise Yoga, löste bei mir Migräne aus. Mittlerweile kann ich sogar wieder joggen und bin sehr glücklich über diese Entwicklung.

Gut zu wissen: Von Krafttraining wird übrigens abgeraten, da es den Druck im Kopf erhöht und somit Migräneattacken begünstigen kann.

Entspannungsverfahren

Auch regelmäßige Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung (kurz: PMR) nach Jacobson, Autogenes Training, Atem-Meditation oder auch Achtsamkeitstraining können nachweislich2 helfen, Migräneattacken vorzubeugen. Autogenes Training und PMR sollten allerdings nicht im akuten Anfall durchgeführt werden, da sie diesen verstärken können.

Verhaltenstherapie

Kennst du auch die Angst vor dem Schmerz oder das Loch, in das man zu Beginn einer erneuten Migräneattacke fallen kann? Dann bist du damit nicht allein. Viele Migränebetroffene berichten von Ängsten, depressiven Verstimmungen, einem Gefühl von Hilflosigkeit und sogar Panik, wenn die Schmerzen wieder anfangen. Solche Gefühle können allerdings die Schmerzwahrnehmung verstärken. Es kann also helfen zu lernen “cool” zu bleiben wenn ein Anfall kommt und einen anderen Umgang mit seinem Schmerz zu finden. Dabei hilft kognitive Verhaltenstherapie, die z.B. Entspannungsverfahren, Schmerzbewältigung, Stressmanagement und Biofeedback beinhaltet.

Zusätzlich haben mir auch Aspekte der Positiven Psychologie geholfen, besser mit meiner chronischen Migräne umzugehen, z.B. führe ich schon seit einiger Zeit ein Dankbarkeitstagebuch und schreibe mir täglich auf, wofür ich dankbar bin. Denn obwohl ich häufig sehr eingeschränkt bin, gibt es eine Menge Dinge, die ich noch genießen und wertschätzen kann. Und sich dieser Dinge bewusst zu werden, kann helfen besser mit der Krankheit umzugehen.

Biofeedbackverfahren

Das sogenannte Biofeedbackverfahren kann nachweislich Migräneattacken vorbeugen, ist allerdings nur in einem mehrwöchigen Trainingsprogramm erlernbar. Angeschlossen an einen Apparat bekommt man eine Rückmeldung über den Tonus der Nacken- und Schultermuskulatur oder über die Gefäßweite der Kopfarterien. Beides wird einem auf dem Computerbildschirm visualisiert. Ziel ist es zu erlernen, wie man die  Muskelspannung oder die Gefäßweite bewusst steuern kann, um so Migräne vorzubeugen. Leider werden die Kosten für das Verfahren nicht von der Krankenkasse übernommen. Ich war jedoch mal an ein Gerät angeschlossen und fand es irrsinnig interessant wie man mittels Atem, Entspannung und Gedankenkraft die Gefäßweite verändern kann.

Akupunktur

Akupunktur nach den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin ist nachgewiesenermaßen in der Migräneprophylaxe wirksam und kann bei episodischer Migräne so hilfreich sein wie eine medikamentöse Prophylaxe. Bei chronischer Migräne ist die Studienlage noch etwas mau, aber auch dort konnte in einer Studie eine deutliche Reduzierung der Attacken nachgewiesen werden. Daher sollte man es auf jeden Fall ausprobieren, denn Akupunktur hat keine Nebenwirkungen. Einige Krankenkassen haben sogar ein spezielles Kostenübernahmeprogramm für Akupunktur.

Neurostimulationstechniken

Diverse Stimulationstechniken von Nerven wie z.B. die Vagusnervstimulation, die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS), die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) und die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) können helfen, Migräneattacken abzumildern oder zu reduzieren. Dabei handelt es sich um Geräte, die man zuhause selber nutzen kann und die aufgrund einer guten Verträglichkeit und Wirksamkeit häufig bei Patienten zum Einsatz kommen, die eine medikamentöse Migräneprophylaxe ablehnen. Ich habe damit noch keine Erfahrungen sammeln dürfen, aber ihr vielleicht? Schreibt uns dazu in den Kommentaren! Auch hier übernehmen anscheinend einige Krankenkassen die Kosten.

Führen eines Kopfschmerztagebuchs / Triggermanagement

Jede:r hat unterschiedliche Trigger, die das Migränehirn in einen Anfall kippen lassen. Durch das regelmäßige Führen eines Kopfschmerztagebuches kann man diese häufig herausfinden und vermeiden. Generell kann es von Vorteil sein, den Körper nicht allzu großen Schwankungen auszusetzen –  z.B. keine ausgelassenen Mahlzeiten, keine großen Blutzuckerschwankungen, ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, ein gleichmäßiger (eher reduzierter) Koffeinkonsum oder Stressvermeidung. Expert:innen raten heutzutage allerdings zu Triggermanagement anstatt zur strikten Trigger-Vermeidung, denn Letzteres kann zu Stress und selbsterfüllenden Prophezeiungen führen.

Vermeidung von starken Blutzuckerschwankungen

Neuere Studien haben Zusammenhänge zwischen Insulinresistenz, hohen Blutzucker- und Insulinspiegeln und Migräne festgestellt. Besonders stark schwankende Blutzuckerreaktionen nach dem Essen können auf mehreren Ebenen Migräneanfälle fördern5-8. Erste wissenschaftliche Studien konnten belegen, dass eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, eine effektive Migräneprophylaxe sein kann9-11. Unsere digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea-Migräneprophylaxe möchte dir bei dieser Form der nicht-medikamentösen Migränevorbeugung helfen. Damit das empfindliche Migränegehirn regelmässig und ausgeglichen mit Energie versorgt wird sind auch regelmässige Mahlzeiten von Vorteil.

Migräne- und Kopfschmerz-Apps

Mittlerweile gibt es diverse Studien zur Wirksamkeit von Apps4. Das neue Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) sieht deshalb vor, dass bestimmte überprüfte Apps vom Arzt per Rezept verschrieben werden können, so dass die Kosten dafür von der Krankenkasse übernommen werden. Unsere Migräne-App sinCephalea-Migräneprophylaxe gehört auch dazu. 

Weitere natürliche Hausmittel & Methoden zur Migräneprophylaxe

Verspannungen entgegenwirken

Bei einigen Betroffenen können Verspannungen Kopfschmerzattacken begünstigen. Und wer unter chronischer Migräne leidet weiß, dass auch die dauernden Schmerzen zu Verspannungen führen können. So kann ein kleiner Teufelskreis entstehen. Daher können das Lösen oder Vorbeugen von Verspannungen mittels Hitze (z.B. mit einer Wärmflasche, anderen diversen Wärmekissen oder Tigerbalsam), Massagen, Stretch-Übungen, das Nutzen eines Reise- und/oder Sitzkissens, einer vertikalen Maus oder einer Beißschiene um Schulter-, Nacken- und/oder Kieferbereich zu entlasten oder auch Entspannungsübungen und Ausdauersport hilfreich sein. Im Anfall kann ich keine Wärme ertragen, aber ansonsten habe ich alle diese Hilfsmittel und Maßnahmen bereits genutzt und nutze sie teilweise regelmäßig und habe das Gefühl, dass sie mir helfen.

Für guten Schlaf sorgen

Wenn wir schlafen werden Stresshormone abgebaut und Wachstumshormone gebildet, die Zellen erneuern und reparieren. Fehlt dir der Tiefschlaf regelmäßig, können die Hormone aus dem Gleichgewicht geraten und für schlechte Laune sorgen – und sogar Migräneanfälle begünstigen. Daher ist es wichtig, Stress und nächtliches Grübeln zu vermeiden und einen gesunden Schlaf mittels einer Schlafmaske oder eines gut abgedunkelten und ruhigen Raumes zu begünstigen. Vielen Betroffenen helfen auch bestimmte formbare Kissen oder entspannende Natur-Sounds wie Wellen, Regen etc. um einzuschlafen.

Bei Lichtempfindlichkeit

Ich bin relativ lichtempfindlich und habe daher immer meine polarisierte Sonnenbrille und einen Regenschirm (als Sonnenschirm) dabei. Darüber hinaus helfen spezielle Migränebrillen und das Anpassen der Helligkeit von Bildschirmen bzw. das Nutzen von leichten Filtern dabei sich zu schützen. Apps wie die Flux App passen beispielsweise die Helligkeit des Computer- und Handybildschirms automatisch an die Tageszeit an. Je nach Betriebssystem oder Gerät ist dies auch in den Einstellungen des Betriebssystems möglich. 

Bei Geräuschempfindlichkeit

Wer generell und nicht nur im Anfall geräuschempfindlich ist und weiß, dass diese Überreizung eine Attacke begünstigen kann und auch eins von vielen Symptomen der Migräne ist, sollte vorbeugend für sich sorgen, indem er sich immer wieder Ruhepausen gönnt. Dabei können Ohrstöpsel, Noise-Cancelling-Kopfhörer oder auch ablenkende Entspannungs- oder Meditationsmusik helfen.

Für ausreichende Wasserversorgung sorgen

Auch wenn es wissenschaftlich noch zu wenig untersucht worden ist: Flüssigkeitsmangel kann unter Umständen zu Kopfschmerzen und Migräne führen. Daher habe ich immer eine Flasche Wasser dabei und versuche täglich mindestens zwei Liter Wasser zu trinken. Mittels meiner Migräne-App sinCephalea Migräneprophylaxe kann ich den Einfluß meines täglichen Wasserkonsums auf meine Kopfschmerzen überprüfen. Jeden Abend trage ich in mein Tagebuch ein, wieviel ich am Tag getrunken habe. So kann ich später sehen, ob eventuell zu wenig Flüssigkeit einen Anfall ausgelöst hat. Zusätzlich ernähre ich mich großteilig von Obst und Gemüse, was ebenfalls zu einem hohen Prozentsatz aus Wasser besteht.

Bei Geruchsempfindlichkeit

Bei mir können extrem unnatürliche Gerüche wie Parfüms, After-Shaves, fruchtige Duschcremes oder auch die sogenannten E-Liquids der E-Zigaretten eine Migräne auslösen. Sobald ich mit so einem Geruch konfrontiert werde, kann ich mich nur distanzieren. Einige Betroffene berichten jedoch, wie sie diverse Gerüche übertünchen indem sie beispielsweise einen Minz-Lippenbalsam benutzen oder Duft-Kerzen mit für sie angenehmen Gerüchen verwenden.

Ernährung

Das Thema Ernährung bei Migräne und Kopfschmerzen ist komplex und umfasst unter anderem Diäten, Fastenempfehlungen, Entgiftungen und Darmreinigungen. Spätestens seit dem Buch „Darm mit Charme“ von Guilia Enders weiß man, dass viele Krankheiten ihre Ursachen im Darm haben.

Ich nehme schon seit langem Spirulina- und Chlorella-Algen zur Entgiftung, da ich das Gefühl habe damit meinem Körper etwas Gutes zu tun – als Wiedergutmachung quasi für all die Schmerz- und Prophylaxe-Medikamente und Cortisongaben, die er über sich hat ergehen lassen. Zudem habe ich bereits mehrere Migräne-Diäten mehr oder weniger erfolgreich durchgeführt, denn ich bin leider nicht sehr konsequent und esse viel zu gerne. Mein nächster geplanter Schritt ist eine umfassende Darmreinigung mit Flohsamenschalen, Bentonit und Probiotika, d.h. man wechselt einmal die Bakterienstämme des Darms aus. Besonders gut soll dies gemeinsam mit einer Ernährungsumstellung funktionieren, so dass die „bösen“ Darmbakterien ausgerottet und nicht wieder angefüttert werden. Auch hierüber werde ich in unserem Blog berichten.

Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Vitamin B2 und Coenzym Q10 können nachweislich effektive Prophylaxen sein. Ich habe bereits ausführlich in dem Artikel zu medikamentösen Prophylaxen über sie berichtet.

Darüber hinaus gibt es sicherlich noch diverse weitere Nahrungsergänzungsmittel, die dem einen oder anderen geholfen haben. Ich habe noch positive Erfahrungen mit Vitamin D und mit dem aktuell noch unter die Nahrungsergänzungsmittel fallenden CBD-Öl machen dürfen. Ich nehme es nun seit circa einem Jahr und habe seitdem weniger Schmerztage im Monat und vor allen Dingen wesentlich schwächere Migräneanfälle. Die Schmerzintensität ist meist bei unter 5 und ich muss kaum noch Schmerzmittel nehmen. Wenn man bedenkt, dass ich von 20-25 Schmerztagen im Monat mit einer Schmerzintensität von meist über 7 komme, ist das eine extreme Verbesserung und ich freue mich jeden Tag wie verrückt. Meine Erfahrungen mit dem Öl und alle Infos zum Gebrauch kannst du in meinem Artikel über CBD-Öl nachlesen.

Homoöpathie

Globuli scheinen aufgrund der aktuellen Studienlage nicht bei Migräne zu wirken, aber ich möchte dennoch nicht grundsätzlich davon abraten. Vielleicht gibt es ja in Zukunft andere Studienergebnisse. Meine Krankenkasse hat eine Zeitlang die Behandlungskosten durch einen zertifizierten Arzt mit Zusatzausbildung in der Homöopathie übernommen. Der Arzt hat sich sehr ausführlich mit mir beschäftigt und mehrere Gobuli ausprobiert – aber eine Besserung habe ich tatsächlich nicht gespürt.

Aber eine Schamanin und Naturheilkundlerin hat mich mal mit einem sehr hoch potenzierten Mittel behandelt, was definitiv gewirkt hat. Allerdings auf einer anderen Ebene. Ich fing an zu weinen – tagelang. Das war mir unerklärlich. Als ich sie fragte, was das sein könnte, meinte sie, in mir stecke eine große Traurigkeit und die wollte sie mittels dieses homöopathischen Medikaments herausholen und ich solle es einfach mal zulassen, denn das kann reinigend wirken. Und das hat es – definitiv. Aufgrund meiner vorherigen Erfahrung hatte ich keine große Hoffnung in ihre Behandlung und hatte nicht mal gefragt, was sie mir wofür gibt. Ich war zu dem Zeitpunkt so verzweifelt, dass ich alles ausprobiert habe.

Phytotherapie

Auch in der Pflanzenheilkunde gibt es Medikamente, die prophylaktisch bei Migräne eingesetzt werden können. Mutterkraut (Tanacetum parthenium) und Pestwurz sind hier die beiden Wichtigsten. Pestwurz habe ich selber noch nicht ausprobiert, aber mit Mutterkraut durfte ich gute Erfahrungen sammeln. Eine Zeitlang konnte ich damit Migräneattacken frühzeitig ausbremsen, indem ich die täglichen Tropfen im Anfall hochdosierte.

Hormone

Frauen sind circa dreimal häufiger von Migräne betroffen als Männer. Als Ursache steht dafür das Absinken des Östrogenspiegels kurz vor der Menstruation unter Verdacht. Circa 50% der Frauen, die unter Migräne leiden, merken diesen Zusammenhang deutlich.

Bei der rein menstruellen Migräne treten die Migräneattacken ausschließlich kurz vor der Menstruation auf, bei der sogenannten menstruationsassoziierten Migräne treten weitere Attacken auch noch an anderen Tagen im Zyklus auf. Ein weiterer Beweis, dass Hormone eine Rolle spielen ist, dass Migränikerinnen in der Schwangerschaft häufig eine deutliche Verbesserung oder sogar Schmerzfreiheit erfahren. Dass sich die Migräne nach den Wechseljahren häufig verbessert konnte bis dato leider noch nicht wissenschaftlich bestätigt werden. Hat man eine Migräne mit Aura sollte man eine östrogenfreie Verhütung wählen. Und viele Betroffene berichten von einer Verbesserung ihrer Migräne durch die Einnahme einer Gestagen-Pille.

Ich persönlich habe nur einmal kurz die Pille genommen als ich Anfang 20 war und mich nicht gut damit gefühlt. Auf meiner Therapie-To-Do-Liste steht aber noch das Ausprobieren einer naturidentischen Progesteron-Creme z.B. aus Yamswurzel.

Haustier

Auch die Anschaffung eines Haustiers kann helfen, denn Haustiere können richtig gute Therapeut:innen sein. Als meine chronische Migräne sich aufgrund des Betablockers leicht verbesserte und ich mich in der Lage fühlte für ein Tier zu sorgen (und auch entsprechend tolle Nachbarn hatte, die mir im Notfall geholfen hätten), habe ich mich in eine Hündin verliebt und sie bei mir aufgenommen.

Das war das Beste, was mir passieren konnte, denn plötzlich war immer jemand da, wenn es mir schlecht ging. Einen Hund zu streicheln, öffnet einem das Herz, beruhigt und reduziert nachweislich Stress. Darüber hinaus hat mich meine Hündin motiviert, regelmäßig lange Spaziergänge zu machen (selbst mit leichter bis mittelschwerer Migräne), was mein erster Schritt aus dem Bett heraus in Richtung regelmäßigen Ausdauersport war. Darüber hinaus gibt es sogar speziell ausgebildete Hunde, die vor Migräneattacken warnen können, so dass man frühzeitig gegensteuern kann.

Migräne Piercing  

Im Netz kursieren viele positive Erfahrungsberichte vom sogenannten Migräne Piercing, auch Daith Piercing genannt. Dabei handelt es sich um ein Piercing im Bereich des Ohrknorpels, welches einen bestimmten Akupressurpunkt nachhaltig stimulieren und so zu Schmerzfreiheit führen soll. Ich gehe häufig nach Gefühl und für mein Gefühl, steht das Piercing nicht auf meiner Liste. Ich glaube zwar an die traditionelle chinesische Medizin und somit auch an Akupunktur und Akupressur, aber sich so einen empfindlichen Punkt durchschießen zu lassen, scheint mir merkwürdig. Mir persönlich ist es auch einfach ein zu starker Eingriff in meinen Körper. Dennoch möchte ich es hier nicht unerwähnt lassen, denn obwohl es keine Studien über dessen Wirksamkeit und sogar Warnungen dazu gibt, scheint es einigen Migräne-Betroffenen wirklich zu helfen.

Informieren

Abschließend möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass es mir extrem geholfen hat, mich selber umfassend über Migräne und Therapieformen zu informieren. Leider sind auch viele Ärzt:innen erschreckend unterinformiert, was Migräne angeht. Ein besseres Wissen über meine Krankheit hat meine Angst reduziert, mein Selbstvertrauen erhöht und mir das Gefühl von Kontrolle zurückgegeben. Dabei hilft auch die Migräne-App sinCephalea mit ihrem, wie ich finde, sehr verständlich geschriebenen Wissensteil und dem sehr ausführlichen Migräne-Magazin.

Darüber hinaus hilft es auch sich zu vernetzen und sich mit anderen Migräne-Betroffenen auszutauschen. z.B. in Selbsthilfegruppen der Migräneliga e.V. Deutschland. Dadurch fühlt man sich verstanden und nicht ganz so allein auf der Welt. Ein Highlight in Bezug auf Austausch war für mich auch der Weltkopfschmerztag am 5. September 2020, an dem wir unter dem Hashtag #MachMigräneSichtbar Betroffene aufgerufen haben, auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Erstaunlich wie viele Menschen mit dieser schweren Krankheit und mit welchen Ausmaßen zu tun haben und gut zu wissen, dass man nicht alleine damit ist.

Fazit

Es gibt diverse natürliche Hausmittel, die bei einer chronischen oder episodischen Migräne als Migräneprophylaxen helfen können. Ausprobieren lohnt sich! Selbstverständlich darf und sollte man sogar vorbeugenden Verfahren miteinander kombinieren. Damit kann man sogar ihre Wirksamkeit erhöhen. Das bedeutet, wenn ich Entspannungsübungen und Ausdauersport kombiniere, habe ich einen besseren Effekt, als wenn ich nur eines der beiden Dinge tue.

Bei der Anwendung von Migräneprophylaxen generell muss einem jedoch klar sein, dass das Migränehirn sich immer wieder verändern kann und Maßnahmen, die einmal geholfen haben, auch wieder aufhören können zu wirken. Dies war für mich eine immer wiederkehrende, sehr schmerzhafte Erfahrung, denn häufig dachte ich, wie z.B. bei einer eindeutigen Verbesserung nach der Einnahme von diversen Mitteln wie Coenzym Q10, Vitamin B2, Magnesium oder Mutterkraut, dass ich endlich mein Mittel gefunden hatte. Und das war aber leider nicht so und ich wurde immer wieder bitterböse enttäuscht. Es reduzierte meine Migräne zwar eine Zeitlang aber dann groovte sie sich so langsam wieder ein.

Dies muss nicht bei jedem so sein. Jeder Mensch ist anders und jede Migräne ist anders. Es gibt Personen, die mit hochdosiertem Magnesium ihre Migräne in den Griff bekommen…. und andere wiederum nicht. Bei mir haben mehrere Maßnahmen dazu geführt (ich kann leider nicht genau sagen, was es genau war, daher gehe ich von einer Kombination aus), dass die Intensität meiner Migräneattacken extrem runtergegangen ist. Die Anzahl der Schmerztage pro Monat waren jedoch bis zum Einnehmen des CBD-Öls unverändert und sind nun auch erstmals stark reduziert. Mal gucken, wie es weitergeht und wie es sich langfristig verhält.

Was hat dir als Migräneprophylaxe geholfen? Hast Du Empfehlungen für andere Migräne-Betroffene?

Quellen

  1. Clinical Studies and Case Reports„, In: http://www.cannabis-med.org/studies/study.php?fbclid=IwAR0RlWWqm4SL4Xmvrm9nf0-tjmu-_xtq5ZyhsTP1rhg_T-PL1sspJYiDqWs. Letzter Zugang: 03.10.2020
  2. Deutsche Gesellschaft für Neurologie – DGN e.V. (2018): Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne. In: http://www.dmkg.de/files/dmkg.de/Empfehlungen/030057_LL_Migra%CC%88ne_2018.pdf. Letzter Zugang: 03.10.2020
  3. Migraine world summit (2020): „Tools.“ In: https://www.migraineworldsummit.com/tools/. Letzter Zugang: 03.10.2020
  4. „CHARISMHA – Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps“, In: http://www.charismha.de/. Letzter Zugang: 05.10.2020
  5. Bernecker C. et al. (2011): Oxidative stress is associated with migraine and migraine-related metabolic risk in females. In: European Journal of Neurology, 18(10), S.1233-9.
  6. Bongiovanni, D. et al. (2021): Effectiveness of Ketogenic Diet in Treatment of Patients with Refractory Chronic Migraine. In: Neurol Sci, doi:10.1007/s10072-021-05078-5.
  7. Evcili, G. et al. (2018): Early and long period follow-up results of low glycemic index diet for migraine prophylaxis. In: Agri.30(1), S. 8-11. doi: 10.5505/agri.2017.62443.
  8. Gruber, H.-J. et al. (2010): Hyperinsulinaemia in Migraineurs Is Associated with Nitric Oxide Stress. In: Cephalalgia30 (5), S. 593–98. https://doi.org/10.1111/j.1468-2982.2009.02012.x.
  9. Razeghi, J. S. et al. (2019): Association of diet and headache. In: Journal of Headache and Pain, 20(1), S. 106. doi:10.1186/s10194-019-1057-1.
  10. Siva, Z.O. et al. (2018): Determinants of Glucose Metabolism and the Role of NPY in the Progression of Insulin Resistance in Chronic Migraine. In: Cephalalgia 38 (11), S. 1773–81. https://doi.org/10.1177/0333102417748928.
  11. Yilmaz, N. et al. (2011): Impaired Oxidative Balance and Association of Blood Glucose, Insulin and HOMA-IR Index in Migraine. In: Biochem. Med., 21, S. 145–151.